Organische Landwirtschaft für Entwicklung

Entwicklungszusammenarbeit: Ein Paradigmenwechsel ist notwendig

Multilaterale oder staatliche Entwicklungszusammenarbeit ergibt dann Sinn, wenn sie Armutsbekämpfung zum Ziel hat und dieses Ziel mit realer Hilfe zur Selbsthilfe verbindet. Das schließt aus, dass sie renditeorientiert sein kann.

von Dr. Annette Massmann, Geschäftsführerin GLS Zukunftsstiftung Entwicklung

GLS Treuhand / Dr. Annette MassmannFehlendes Wissen, fehlende Infrastruktur

Ein Beispiel: Im subsaharischen Afrika leben je nach Land zwischen 60 bis 85 Prozent der Bevölkerung direkt oder indirekt von der Landwirtschaft, in der Mehrheit als Kleinbäuer*innen. Sie produzieren in diesen Ländernden den größten Anteil an Lebensmitteln. Und doch sind sie zumeist nicht ernährungssicher und ernährungssouverän.

Warum? Häufig fehlt das Wissen zu Anbaupraktiken, wie man Bodenfruchtbarkeit erhalten kann und auch, wie man erfolgreich vermarktet. Es fehlt an eigenem, angepasstem Saatgut und an funktionierender Infrastruktur wie kleinräumigen Bewässerungssystemen, Möglichkeiten zur Weiterverarbeitung oder Lagerung.

Know-how ermöglicht Entwicklung

Mit der Arbeit der GLS Zukunftsstiftung Entwicklung mit ihren Partnern, beispielsweise in Ostafrika, konnten durch eine kontinuierliche Ausbildungsarbeit im organischen Landbau, in Tierzucht und Tierhaltung sowie durch den Aufbau angepasster Infrastruktur zu Bewässerung, Lagerung und kleinformatiger Weiterverarbeitung über zweihunderttausend Familien ernährungssicher und ernährungssouverän werden. Aber eben mit einem Ansatz, der von den jeweiligen lokalen Gegebenheiten ausgeht und Lösungsansätze sucht, die ökologisch, sozial, kulturell und dann auch ökonomisch tragfähig sind.

Langjährige Erfahrung zeigt, dass kleinbäuerliche, ökologisch und sozial tragfähige Landwirtschaft, höchstens eine Rendite von rund 2 Prozent erwirtschaften kann – nach langen Jahren des Aufbaus und der Schulung – also notwendigen Investitionen. Renditeorientierte Großinvestitionen, die top down implementiert werden, wie in der FIAN-Studie kritisch unter die Lupe genommen, sind da kontraproduktiv.

Bottom-up

Bleiben wir beim Beispiel Landwirtschaft. Hier ist ein Paradigmenwechsel in der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit gefordert. Weg von der deutschen Wirtschaftsförderung unter dem Feigenblatt der „Entwicklung“ hin zu gut durchdachten Bottom-up Ansätzen der Armutsbekämpfung und realer Hilfe zur Selbsthilfe, die auf den Aufbau lokaler und nachgelagert regionaler Wirtschaftskreisläufe zielt.

In anderen gesellschaftlichen Bereichen internationaler Kooperation ergibt eine gesunde Mittelstandsförderung zwischen Zielland und deutscher Wirtschaft sicherlich ihren politischen Sinn. Die Frage aber ist, ob das durch öffentliche Gelder subventioniert werden sollte, und wenn ja, zu welchen Konditionen?

Subventionierte Großinvestitionen passen erfahrungsgemäß nicht zur Idee einer anzustrebenden Postwachstumsgesellschaft, die uns durch unsere planetarischen Grenzen auferlegt wird.

Titelfoto: Zukunftsstiftung Entwicklung/Julia Feldhausen

Lest dazu auch den Beitrag von Roman Herre, Agrarreferent von FIAN:

Rendite oder Entwicklung?

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