Die eigenen vier Wände: 11 Tipps für nachhaltiges Wohnen

Die eigenen vier Wände: 11 Tipps für nachhaltiges Wohnen

Wohnen ist ein ganz essenzielles Bedürfnis von uns Menschen. Nicht umsonst gilt Obdachlosigkeit im deutschen Gesetz als Gefahr für die eigene Gesundheit. Auch die zukünftigen Generationen werden das Bedürfnis haben, zu wohnen.

Doch wie wir heute wohnen, belastet unsere Umwelt und gefährdet damit die Zukunft eben genau dieser Generationen. Es wird daher Zeit, unseren Umgang mit den eigenen vier Wänden für unsere Nachwelt zu optimieren. Hier findest du ein paar Tipps, um gerecht mit unserer Erde und deren Geschenken umzugehen.

Um unseren Wohnraum zu schaffen, verbrauchen und verschmutzen wir zu viel von dem, was auch für unsere Kinder und Enkelkinder ausreichen muss. Das Umweltbundesamt bilanziert: „Gebäude und Infrastruktur nehmen in Deutschland einen großen Teil der natürlichen Ressourcen Fläche, Energie und Rohstoffe in Anspruch. Hinzu kommt eine hohe Abfallmenge, die bei der Erstellung, Sanierung und schließlich auch beim Abriss von Gebäuden entstehen.“

Doch auch das Bewohnen der Gebäude selbst, stellt ein Problem dar: Beleuchten, Klimatisieren und vor allem Heizen verursachen laut dem Institut für Bauingenieurwesen der TU Berlin rund 30 Prozent aller in Deutschland ausgestoßenen Treibhausgase. Wir sind also noch ein ganzes Stück davon entfernt, unseren Wohnraum generationengerecht herzustellen und zu nutzen.

Doch wie könnte das besser klappen? Schau dir die folgenden Tipps aus drei Kategorien an:

1. Wie du deinen Strom und Wasserverbrauch nachhaltiger machst
2. Was du bei der Wahl deines Zuhauses beachten kannst
3. Welche Möglichkeiten du als Eigentümer*in hast

1. Wie du deinen Strom und Wasserverbrauch nachhaltiger machst

Wechsle zu Ökostrom

Der wohl bekannteste Tipp, um nachhaltiger zu wohnen, ist auf eine Versorgung mit Ökostrom zu wechseln. Das funktioniert mittlerweile durch das Internet innerhalb weniger Minuten und hat eine große Auswirkung. Du beziehst nun keinen Strom mehr aus schmutzigen Kohlekraftwerken, sondern aus erneuerbaren Energien und förderst damit gleichzeitig deren Ausbau – denn die Nachfrage beeinflusst bekanntlich das Angebot. Außerdem brauchst du keine Angst vor einem Stromausfall zu haben: Die Umstellung ist eine rein rechnerische. Finanziell macht der Wechsel oft einen Unterschied von 1 bis 2 Euro aus, für unseren Planeten hat das eine große Wirkung.

Bei der Auswahl deines neuen Stromanbieters kannst du dich an den Strom-Kund*innen der GLS Community orientieren. Hier sind zum Beispiel die Elektrizitätswerke Schönau oder auch die Bürgerwerke eG vertreten. Bei den Kund*innen aus der GLS Community kannst du sicher sein, dass reiner Ökostrom aus deiner Steckdose kommen wird. Du findest diese hier.

Spare Strom

Nicht nur die Quelle unseres Stroms, sondern auch unser Verbrauch ist ein wichtiger Einflussfaktor. Also heißt es: Strom sparen. Hohe Stromrechnungen sind nicht nur dem Geldbeutel ein Dorn im Auge, sondern auch unserem Planeten.

Es gibt viele Tipps zum Energiesparen, einige davon sind selbstverständlich wie das Ausschalten des Lichts vor dem Verlassen von Räumen. Doch was sind die wahren Stromfresser unserer Haushalte? Um das herauszufinden, kann es sich lohnen, in ein Strommessgerät zu investieren oder sich eines auszuleihen. Dieses misst den Stromverbrauch und verrät dir, wo in deinem Haushalt die Stromfresser lauern und Einsparpotenziale verborgen sind. Du sparst bereits Strom, wenn du nicht benötigte Geräte einfach von der Steckdose trennst, etwa das Ladegerät fürs Handy. Abschaltbare Mehrfachsteckdosen können sich in diesen Fällen lohnen. Beim Kauf von Haushaltsgeräten achte darauf, ein möglichst energiesparendes Modell zu wählen: Geräte mit der Energieeffizienzklasse A++ (oder besser) verbrauchen deutlich weniger Strom.

Den bei weitem größten Einflussfaktor auf unsere Stromrechnung haben allerdings die Heizkosten. Deshalb ist es das Beste, wenn du die Heiztemperatur in jedem Raum an seine Nutzung und deine Bedürfnisse anpasst. Oft neigen wir dazu, alle Räume unnötigerweise ähnlich stark zu heizen. Im Badezimmer mögen wir es am wärmsten – hier werden gerne 24 Grad angestrebt. In allen Wohnräumen, Schlaf- und Kinderzimmern liegt unsere Wohlfühltemperatur zwischen 20 und 22 Grad, wohingegen für die Küche 20 Grad genügen. Also: unbedingt den Selbsttest zur eigenen Wohlfühltemperatur machen! Und dabei auf die Kleidung achten: Barfuß und T-Shirt mögen für dich zu Hause ganzjährig verlockend sein, im Winter hat dein luftiger Kleidungsstil aber Nachteile für die Stromrechnung und die Umwelt. Denn du wirst garantiert mit der Heizung ausgleichen…

Wenn du es den Profis überlassen möchtest, Einsparpotenziale zu finden, kannst du eine Energieberatung in Anspruch nehmen. Die*der Energieberater*in kann dir in deinem Zuhause die effektivsten Methoden zum Strom sparen aufzeigen – das rechnet sich.

Spare Wasser

Auch wenn es uns in Mitteleuropa noch nicht an Wasser mangelt, hat die Erde keine unbegrenzten Ressourcen. In anderen Ländern ist es überhaupt nicht selbstverständlich, dass zu jeder Uhrzeit sauberes Trinkwasser aus unzähligen Wasserhähnen zur Verfügung steht.

Wenn du Wasser einsparen möchtest, fange bei deinen unbewussten Gewohnheiten an. Lässt du das Wasser laufen, wenn du Zähne putzt oder dich unter der Dusche einseifst? Wenn ja: Hahn zudrehen in der Zwischenzeit. Duschen ist wesentlich besser als baden, und idealerweise nutzt du dabei noch einen wassersparenden Duschkopf. An den Energieetiketten der Duschköpfe und Armaturen kannst du im Fachhandel erkennen, wie viel Wasser sie jeweils benötigen.

Bei großen Geräten wie der Wasch- und Geschirrspülmaschine kannst du beim Kauf auf den Wasserverbrauch des Gerätes achten und diese nur dann nutzen, wenn sie gut gefüllt sind.

2. Was du bei der Wahl deines Zuhauses beachten kannst

Genug zum Wohnverhalten, nun geht es um dein Zuhause an sich. Denn schon bei der Auswahl deines Wohnraumes und bei deinem Umzug kannst du Entscheidungen treffen, die der Umwelt zugutekommen. Hierbei helfen dir vielleicht die folgenden Fragen:

Wie viel Platz brauche ich wirklich?

Gemeinschaftliches wohnen ist nachhaltig, denn das Einfamilienhaus ist der neue SUV. Je mehr Flächen wir für unseren Wohnraum versiegeln, desto weniger bleibt von unserer Natur übrig. Außerdem muss zusätzlicher Raum immer beheizt werden. Daher ist die Devise: je kleiner der Wohnraum pro Person, desto besser für die Umwelt.

Unsere Gesellschaft geht derzeit leider den entgegengesetzten Weg: „Momentan leisten sich die meisten lieber mehr Wohnfläche als ein nachhaltiges Zuhause“, stellt das Institut für Bauingenieurwesen der TU Berlin fest. Das muss sich ändern. Vielleicht mit dir? Hast du Lust, eine WG zu gründen? Das geht nicht nur zu Studierendenzeiten!

Wie kurz sind meine Wege?

Bei der Auswahl eines neuen Zuhauses kannst du berücksichtigen, wie weit oder kurz deine Wege sein werden. Kannst du zur Arbeit laufen oder brauchst du dafür das Auto? Wo gehst du einkaufen, wo deinen Hobbys nach? Es ist immer sehr vernünftig, eine Wohnung mit gutem Anschluss an Busse und Bahnen zu haben. Vielleicht entwickelt sich die Möglichkeit, die öffentlichen Verkehrsmittel ständig zu nutzen. Wer sein Auto verkauft, spart richtig Geld! Und für die Umwelt ist ein eigener Pkw weitaus schädlicher als der ÖPNV.

Wie sieht es mit der Energieeffizienz beim wohnen aus?

Frage bei jeder Besichtigung von potenziell neuen vier Wänden nach dem Energiebedarfsausweis! Dieser gibt potenziellen Mieter*innen oder Käufer*innen Auskunft über die Energieeffizienz der Wohnung oder des Gebäudes an die Hand (siehe dazu auch unten mehr). Du kannst mithilfe des Ausweises die Wohnung oder das Haus mit den geringsten Heiz- und Energiekosten auswählen.

Welche Möbel brauche ich?

Was viele oft vergessen: Auch Möbel können nachhaltig oder umweltschädlich sein. Die nachhaltigsten Möbel sind solche, die nicht neu für dich produziert werden. Wenn du dich neu einrichtest, halte doch nach gebrauchten Möbelstücken Ausschau. Dabei kannst du richtig viel Geld sparen!

Wenn es doch etwas Neues sein soll: Kaufe nachhaltige Möbel statt Billigware. Wenn du zum Beispiel heimische Hölzer anstelle von Tropenholz wählst, triffst du eine wichtige Entscheidung für unseren Planeten. Denn Tropenholz hat nicht nur einen weiten Transportweg, der unfassbar viel CO2 in die Luft pustet, sondern wird auch unter katastrophalen Umwelt- und Sozialbedingungen abgeholzt. Kein Wunder also, dass viele Möbelhersteller die Herkunft ihres Holzes verschweigen. Es lohnt sich, genauer nachzufragen.

3. Welche Möglichkeiten du als Eigentümer*in hast

Eigentum verpflichtet. Auch zum Umweltschutz. Worauf du als Eigentümer*in eines Hauses oder einer Wohnung achten kannst, findest du im Folgenden.

Lieber Bestand verbessern, als neu bauen

Schon beim Kauf deiner Immobilie hast du eine wichtige Entscheidung zu treffen: Baust du etwas Neues oder betreibst du lieber Wohnungs-Upcycling? Wenn die Erde hier ein Wörtchen mitzureden hat, sagt sie ganz klar: letzteres!

Aus Süddeutschland kennen wir das Lebensmotto „Schaffe, schaffe, Häusle bauen“. Für jeden Neubau werden allerdings viele Tonnen an Ressourcen verbraucht, die wir auf unserem Planeten nur begrenzt zur Verfügung haben. 85 Prozent aller in Deutschland verwendeten mineralischen Rohstoffe werden laut Statistischem Bundesamt zu Baustoffen und Bauprodukten. Rund 8 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen gehen nach Schätzungen auf die Produktion des für den Beton nötigen Zements zurück – mehr als auf den gesamten Flugverkehr weltweit!

Es ist daher weitaus nachhaltiger und flächenschonender, alte Gebäude zu sanieren, statt neue zu bauen. Nachhaltigkeitswissenschaftlerin und Transformationsforscherin Prof. Dr. Maja Göpel bringt das so auf den Punkt: „Bauen, bauen, bauen im herkömmlichen Sinne kann nicht die Lösung sein, wenn wir es mit der Ökologie ernst meinen.“

Blick in den Energieausweis

Seit 2009 muss es für jedes Gebäude einen Energieausweis geben. Dieser beinhaltet den Energiebedarf oder den Energieverbrauch eines Gebäudes. Außerdem gibt der Energieausweis Eigentümer*innen Tipps für sinnvolle energetische Modernisierungsmaßnahmen an die Hand. Er kann dir also sowohl bei der Auswahl deiner Immobilie helfen, wie auch später bei der Frage, wie du Wohnung oder Haus noch nachhaltiger und effizienter machen kannst. Planst du eine Modernisierung, solltest du auch Zeit für die Recherche von Förderprogrammen einplanen. Viele Banken, selbstverständlich auch die GLS Bank, bieten Förderungen oder günstige Kredite an.

Pimp it: So machst du dein Zuhause nachhaltiger

Die größte Wirkung für die Umwelt erzielst du als Eigentümer*in mit einer energetischen Sanierung oder Modernisierung. Dadurch machst du deine Immobilie nicht nur startklar für die nächsten Jahrzehnte, du sparst langfristig viel Energie und Geld und profitierst von einer besseren Zukunft auf diesem Planeten. Du kannst dein Zuhause zum Beispiel besser dämmen (Keller- und oberste Geschossdecke bewirken Wunder!), du kannst eine moderne Heizung einbauen oder durch Solaranlagen auf deinem Dach selbst erneuerbare Energien erzeugen.

FAZIT

Wohnen war lange nicht im Fokus der Diskussion um Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Zu Unrecht, wenn man auf die Statistiken des Energie-, Flächen- und Ressourcenverbrauches schaut. Die Erklärung dafür ist so simpel wie beim Thema Konsumverhalten und Autoverkehr: Veränderungen in unserem Privatleben sind auf den ersten Blick unangenehm und implizieren für viele Menschen Verzicht.

Doch wie du an unseren Tipps siehst: Auch beim wohnen geht es eigentlich um mehr Achtsamkeit, darum, Gewohnheiten zu verändern (welche dann wiederum neue Gewohnheit werden). Und es geht um Investitionen, um langfristig – vor allem Strom- und Heizkosten – zu sparen. Ein Aufwand, der sich lohnt. Für dich selbst und für die nachfolgenden Generationen.

Weitere spannende Artikel zum Thema Wohnen.

Passend dazu, dass Video von unserem Johannes zu Wohngenossenschaften: Die Preise für Wohnungen in Großstädten steigen seit Jahren immer weiter. Egal ob zur Miete oder zum Kauf, wohnen in der Stadt ist inzwischen einfach super teuer. Doch Wohngenossenschaften könnten ein Teil der Lösung sein: demokratisch, bezahlbar und ohne Spekulation.


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  1. Rolf Wagner

    „Geräte mit der Energieeffizienzklasse A++ (oder besser) verbrauchen deutlich weniger Strom.“
    Durch Schaffung neuer Entwicklungsanreize sind die Effizienskalssen geändert worden. So gibt es bereits Produkte auf den Markt, die mit „D“ angegeben sind, aber der „alten“ Klasse A entsprechen. Ein Vergleich, nicht unbedingt auf den „Mainstram“-Portalen sind zwar zeitintensiver, schaffen aber mehr Wissen über die Produktdetails…

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