Alnatura Campus Darmstadt

Ort der Arbeit — Platz fürs Leben

Arbeitszeit sei Lebenszeit, stellt Götz Rehn, Gründer von Alnatura fest. Darum heißt die neue Firmenzentrale auch Campus. Nicht nur Arbeitsplatz, sondern ein Ort zum Lernen und Begegnen.

Nichts hat Götz Rehn dem Zufall überlassen, damit er sein Ziel erreicht: „Die Umwelt zur Mitwelt zu machen.“ Früher waren auf dem 55.000 Quadratmeter großen Gelände US-Soldaten stationiert. Nun ist hier ein dreigeschossiges Bauwerk entstanden: Europas größtes Bürogebäude mit Lehmfassade sowie einem öffentlichen Waldorfkindergarten und einem vegetarischen Restaurant. Gebaut ist der Alnatura Campus in heller Werkstattästhetik. Viele Fenster und der Sinn für Details bestimmendas offene Ambiente.

Laut ist es trotz fehlender Wände und Türen nicht. Man gelangt leicht von einer Abteilung in die andere. Gespräche finden in einer der zahlreichen Besprechungsinseln statt.

Neben dem Bürogebäude für 450 Mitarbeiter*innen kennzeichnet insbesondere der Waldorfkindergarten Kinder-Natur-Garten mit 88 Plätzen den Campus als Lernort; er ist offen für alle Darmstädter Kinder. Der eingeschossige Rundbau, gebaut aus Holz und Lehm, besitzt eine Grundfläche von 1.000 Quadratmetern. Für das tägliche Naturerleben verfügt jede der fünf Gruppen über einen direkten Zugang zum 3.300 Quadratmeter großen Garten. Dieser schließt an die öffentlichen Gärten an.

Öffentliche Orte

20.000 Quadratmeter groß sind die Schul- und Erlebnisgärten. Sie zeigen Biolebensmittel von der Aussaat bis zum fertigen Produkt. Es gibt öffentliche Mietgärten und solche, die speziell von Schulen genutzt werden. Ein Erlebnispfad zeigt Kräuterbeete und Streuobstwiesen, die in der Mittagspause und tagsüber auch auswärtige Besucher*innen zum Verweilen und Entdecken inspirieren. Zum anschließenden kulinarischen Genuss lädt das vegetarische Restaurant tibits ein. Die Alnatura Mitarbeiter*innen können dort ein abwechslungsreiches Mittagessen genießen.

Wer mit seinem E-Auto zum Essen kommt, kann nicht nur sich, sondern auch sein Fahrzeug mit „Saft“ versorgen. An der Ladesäule lässt sich dank Giro-e der GLS Bank mit jeder Bankkarte bezahlen, ohne sich anmelden zu müssen. Das Bezahlsystem stellt eine wichtige Voraussetzung für den Ausbau der Elektromobilität dar.

©(c)Roland Halbe

Aus Lehm gebaut

Die Wände aus Lehm sind 69 Zentimeter dick. Dieser jahrtausendealte Baustoff ist dafür bekannt, Räume auf natürliche Weise zu klimatisieren. Hightech trifft Tradition: Österreichische Spezialisten mischten Lehm aus der Region mit Schotter, Kies und zerkleinertem Abbruchmaterial der alten Baracken. Sogar Tunnelaushub des Bahnprojekts Stuttgart 21 konnte hier recycelt werden. Aus der Mischung wurden direkt auf der Baustelle 380 über 3,5 Meter lange und 4,5 Tonnen schwere Blöcke gestampft. Um die Oberflächen der Lehmelemente zu festigen, kamen Ton und Trasskalk zum Einsatz. Im Inneren der Blöcke wurden Rohre integriert, sodass die Wände auch als Heizung fungieren. Bisher einzigartig ist, dass die Blöcke die Innen- und Außenfassadebilden.

Freundliches Klima und klimafreundlich

Auch die Heizung wird der Alnatura Leitlinie „Sinnvoll für Mensch und Erde“ gerecht. Ein Erdkanal saugt mittels Thermik Luft aus dem angrenzenden Kiefernwald. Zwei stattliche Ansaugtürme am Waldrand und der Kamineffekt im Atrium des Gebäudes halten den Lufttransport in Gang. Das Gebäude wird so ganzjährig natürlich belüftet. Der zusätzliche HeizundKühlbedarf bleibt insgesamt gering und wird zum Großteil durch eine Geothermieanlage gedeckt. Weil die Längsseiten nordsüdorientiert sind und das Oberlichtband des Atriums Nordlicht ins Gebäude lässt, werden die erwünschten Tageslichtbedingungen erreicht und unerwünschte Aufheizung des Gebäudes vermieden. Der Strom wird in einer großen Dachphotovoltaikanlage erzeugt. So wird man voraussichtlich 20 Prozent des Bedarfs selbst decken können. All das trägt dazu bei, dass nahezu Klimaneutralität erreicht wird. Dies führt zu einem ausgezeichneten nWert-Zertifikat der GLS Bank. Das nWert-Gutachten spiegelt neben dem ökologischen Aspekt insbesondere den nachhaltigen, spürbaren Nutzerkomfort für die Menschen wieder, die sich in diesem Gebäude viele Stunden am Tag aufhalten.

„Ein absolutes Vorzeigeprojekt!
Hier wurde die Vision, ein durch und durch nachhaltiges Firmengebäude zu schaffen, mit Liebe zum Detail umgesetzt.“

Marion Amelung, Firmenkundenbetreuerin der GLS Bank:„Ein absolutes Vorzeigeprojekt! Hier wurde die Vision, ein durch und durch nachhaltiges Firmengebäude zu schaffen, mit Liebe zum Detail umgesetzt. Sobald man das Gebäude betritt, spürt man das angenehme Raumklima und die offene Arbeitsatmosphäre. So wünscht man sich Arbeiten in der Zukunft.“ 2019 erhielt der Alnatura Campus den Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur.

Architekten
haascookzemmrich.com
lehmtonerde.at

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Ein Artikel aus dem GLS Unternehmer*innen-Magazin Sinnmacher zum Thema nachhaltige Immobilien. Diesen und viele andere spannenden Artikel finden Sie hier im Blog. Alle Ausgaben des Sinnmachers als PDF finden Sie unter: https://www.gls.de/sinnmacher/.

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