Loring Sittler

Demokratie, Verantwortung, Loring!

Der gebürtige Amerikaner Loring Sittler engagiert sich Zeit seines Lebens für eine starke Demokratie und gegen Extremismus. Beruflich machte er sich sowohl für die Befähigung junger Menschen stark als auch für ein neues Bild vom Altsein. Wieso das Genossenschaftsmodell unbedingt viel häufiger angewendet werden sollte und warum er Fan der GLS Bank ist, erfährst Du im Interview.

Hallo Loring, schön, dass Du hier bist! Wer bist Du?

Ich wurde 1951 in den USA geboren. Mein Vater wanderte 1937 freiwillig nach Deutschland aus, lernte meine Mutter kennen und beide gingen dann 1946 zurück in die USA. Wir konnten seine Entscheidung nie wirklich diskutieren. Ich selbst zog 1959 nach München. Nach zwei Jahren Bundeswehr studierte ich Geschichte, Englisch und Politik. Mein Engagement gegen Extremismus führte später zur Gründung des Fortbildungswerks für Studenten und Schüler (FWS) e.V., bei dem ich lange Geschäftsführer war. Danach folgten leitende Positionen in der Finanzbranche, in der politischen Kommunikation und schließlich bei einem internationalen Versicherungskonzern, wo ich das Privileg hatte, Gelder für gemeinnützige Zwecke einzusetzen.

Welche Stationen haben Dich am meisten geprägt?

Das Fortbildungswerk und meine Zeit in der Versicherungsbranche. Beim Fortbildungswerk haben wir über 20.000 junge Menschen dazu befähigt, sich aktiv für die Demokratie einzusetzen und Extremismus entgegenzuwirken. Viele von ihnen sind heute in wichtigen Positionen tätig. In meiner Zeit bei der Versicherung haben wir acht Jahre lang rund 15 Millionen Euro für gemeinnützige Zwecke eingesetzt, vor allem zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements der älteren Generation. Uns ging es darum, ein neues Bild vom Altsein zu vermitteln. Unsere Studien haben gezeigt, dass mindestens 40 Prozent der 65- bis 85-Jährigen engagiert sind. Wir sollten Älteren nicht unterstellen, dass sie sich nicht mehr einbringen wollen, sondern von ihrer Erfahrung profitieren. Auch Genossenschaften haben wir gefördert, deren Bedeutung in Deutschland völlig unterbelichtet ist.

Wie könnte das Genossenschaftsthema präsenter werden?

Das ist komplex – eine Bankgenossenschaft funktioniert anders als eine Wohngenossenschaft. Grundsätzlich entstehen Genossenschaften dort, wo Staat und Markt versagen. Und genau das werden wir in vielen Bereichen erleben, etwa im Gesundheitssystem. Wir müssen Modelle finden, die dieselben oder bessere Leistungen erbringen, aber auf Eigenverantwortung setzen. Genau das ist das Prinzip des Genossenschaftswesens – und es entspricht dem Grundgedanken der Demokratie. Das müssen wir stärker in den Vordergrund rücken.

Was bewegt Dich dazu, Dich so einzusetzen?

Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Wenn man selbst mit gutem Beispiel vorangeht und sich engagiert, folgen andere nach. Wir müssen besonders die Gleichgültigen erreichen. Extremisten kann man politisch bekämpfen, aber die Gleichgültigen müssen verstehen, dass es an uns Demokraten liegt, unsere Gesellschaft verantwortungsvoll zu gestalten.

Wie bist Du zur GLS Bank gekommen?

Vor vielen Jahren erzählte mir jemand von der GLS Bank, und ich wusste sofort: Das ist genau das, was ich brauche. Kurz darauf habe ich all meine Konten dorthin verlegt. Bis heute bin ich sehr zufrieden – vor allem mit dem Wissen, dass ein Teil der Bankgewinne gemeinnützigen Zwecken zugutekommt. Das passt zu meinem Lebenslauf. Mitglied bei der GLS Bank bin ich, weil ich großer Fan von Genossenschaften bin und man so einfach noch mehr bewirken kann.

Was könnte die GLS Bank noch besser machen?

Man kann von einer Bank kaum mehr erwarten als das, was die GLS Bank bereits tut. Vielleicht könnte sie ihre Stiftungsarbeit noch sichtbarer machen – wer nicht aktiv danach sucht, sieht sie kaum. Und es könnte noch deutlicher werden, dass eine Mitgliedschaft mehr bedeutet, als einfach nur ein Konto bei der GLS Bank zu haben.

Was wünschst Du Dir für unsere Gesellschaft?

Ich wünsche mir, dass Politiker viel stärker den Rat von Expert*innen annehmen. Der Begriff „Zeitenwende“ ist treffend – wir müssen entschlossen handeln, ob in Sachen Nachhaltigkeit, Sicherheit, Sozialsicherungssysteme oder Infrastruktur. Dafür braucht es auch unbequeme Entscheidungen. Außerdem hoffe ich, dass wir wieder besser debattieren lernen. Deshalb habe ich eine Kampagne gestartet, die mit Kurzvideos in den sozialen Medien Argumente gegen Extremisten und Populisten bietet: Viele Menschen brauchen dringend Argumente, mit denen sie für die Demokratie einstehen können. Mehr dazu auf demokratiebewahren.org. Wer überzeugt ist, darf nicht schweigen!

Mach’s wie Loring!

Loring Sittler ist eines von aktuell (Stand: Dezember 2024) über 143.000 Mitgliedern, die mit ihren Genossenschaftsanteilen das Bankgeschäft tragen. Das Geld unserer Kund*innen können wir nach Vorgabe der Bankenaufsicht BaFin nur als Kredite vergeben, wenn wir genug Eigenkapital vorweisen können. Jeder Anteil ermöglicht einen neuen Kredit in mindestens siebenfacher Höhe. Deshalb sind die GLS Bank Anteile die wirkungsvollste Anlagemöglichkeit: Bis zu 3 Prozent Dividende sind möglich. Als Eigentümer*innen der Bank bestimmen Mitglieder zudem mit und genießen spezielle Konditionen.

Illustration mit vielen verschiedenen Frauen
Estella Schweizer
Zwei Studentinnen, eine sitzt traurig am Boden, die andere will ihr helfen.
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