Ein Mann schaut in einen Garten, in dem er handwerklich beschäftigt ist. Investmentfonds

Nur noch kurz die Welt retten: Mit nachhaltigen Investmentfonds?

CO2-Einsparungen, soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz: Das versprechen nachhaltige Investmentfonds sehr häufig. Jedoch lässt sich das selten konkret nachweisen. In diesem Artikel erkläre ich dir, wie Investitionen wirklich einen sozial-ökologischen Mehrwert schaffen und wie die GLS Bank Tochter GLS Investments diesen Mehrwert noch verstärken möchte.

Vier Hebel, mit denen wir als Bank die sozial-ökologische Wirkung unserer Investmentfonds verstärken

Die Klimakrise schreitet voran – mittlerweile sind die Auswirkungen für uns alle spürbar. Forderungen nach mehr Klimaschutz werden immer lauter, Protestmaßnahmen werden drastischer. Sinnvolle Investitionen versprechen ein großer Hebel zu sein: im Kampf gegen den Klimawandel und für die Transformation zu einer sozial-gerechteren Welt. „Nur noch kurz die Welt retten“, sang Tim Bendzko schon 2011. Schauen wir uns also an, ob und wie wir die Welt mit den richtigen Investmentfonds retten können.

Wie kann deine Investition etwas bewirken?

Die Grafik zeigt die Wirkkette von Anleger zu Investmentfonds, Fonds zu Unternehmen und Unternehmen zur Welt.

Bei dieser Frage hilft ein Blick auf die Wirkkette des Geldes. An erster Stelle stehst du – du investierst dein Geld einmalig oder beispielsweise monatlich in GLS-Fonds. Enthalten in den GLS-Fonds ist je nach Fonds eine unterschiedlich zusammengesetzte Mischung aus börsennotierten Unternehmen, die unserem GLS Nachhaltigkeitsverständnis entsprechen. Die GLS Investments ist die Investorin und investiert dein Geld in diese sorgfältig ausgesuchten nachhaltigen Unternehmen. Mit dem eingesetzten Kapital kann das Unternehmen wirtschaften und mit Produkten und Dienstleistungen positiv auf Umwelt und Gesellschaft wirken.

Hier gilt es also zu unterscheiden: zwischen der Wirkung der Unternehmen (Company Impact) und der Wirkung, die wir als Investorin haben (Investor Impact).

Als Investorin können wir demnach nur indirekt Einfluss auf die Gesellschaft nehmen. Um die indirekte Wirkung zu vergrößern, gibt es vier Wirkhebel.

Erster Wirkhebel: Signale setzen

Als Nachhaltigkeitsbank, die seit ihrer Gründung vor 50 Jahren nur nachhaltig investiert, wollen wir ein positives Bild einer künftigen Gesellschaft zeichnen. Wir wollen den Weg weisen: Was ist nachhaltig? Was aber auch nicht? Wo soll das Geld genau hinfließen? Mit unseren Anlage- und Finanzierungsgrundsätzen möchten wir gegenüber anderen Investor*innen am Kapitalmarkt aufzeigen, welchen Weg wir für eine nachhaltige Zukunft einschlagen müssen.

Mit Divestments, also dem (öffentlich wirksamen) Verkauf von Aktien und Anleihen kontroverser Unternehmen, können wir ein Signal im Markt setzen. Eine einzelne Investition in nachhaltige Unternehmen mag noch nicht viel bewirken. Aber wenn viele Investoren nur noch in wirklich nachhaltige Unternehmen investieren, haben es Unternehmen mit kontroversen Geschäftsmodellen zum Beispiel im Bereich der fossilen Energie schwer, zu guten Konditionen Kapital zu erhalten. Als Nachhaltigkeits-Urgestein in der Finanzbranche setzen wir so Signale für eine zukunftsfähige Wirtschaft.

Zweiter Wirkhebel: Kapitalbereitstellung

Als Investorin kaufen wir meist Aktien von anderen Investor*innen über die Börse. Das Geld fließt also zu einem anderen Investor und nicht direkt in das Unternehmen, das unserem Nachhaltigkeitsverständnis entspricht. Für eine direkte Kapitalbereitstellung gibt es Möglichkeiten im Markt, die wir, wenn möglich, gerne nutzen. Dazu gehören beispielsweise Kapitalerhöhungen oder Neuemissionen, also die Ausgabe neuer Wertpapiere eines Unternehmens zur Beschaffung von Eigen- und Fremdkapital. In diesem Fall kaufen wir die Wertpapiere direkt vom Unternehmen und vor dem ersten Börsenhandel.

Dritter Wirkhebel: Ins Gespräch gehen (Engagement)

Im Gegensatz zum zweiten Wirkhebel, von dem du als Anleger*in eines Investmentfonds wahrscheinlich wenig mitbekommst, verläuft der dritte Wirkhebel „Engagement“ etwas geräuschvoller. Im Dialog mit Unternehmen geht es darum, unsere Position als Investorin zu nutzen. Wir setzen starke Signale (siehe Wirkhebel 1) und platzieren bei Unternehmen wichtige Nachhaltigkeitsthemen. Wir sensibilisieren sie für diese Themen und zeigen eben auch Defizite auf. Wie machen wir das? Eine Möglichkeit ist das direkte Gespräch mit Entscheidungsträger*innen in den Firmen. Eine andere die Ausübung unseres Stimmrechts auf den Hauptversammlungen der Unternehmen.

Taucht etwa bei einem Unternehmen eine Kontroverse auf, beispielsweise der öffentliche Verdacht auf Steuerhinterziehung eines CEOs oder der Zweifel an sauberen Lieferketten, bekommen wir das durch unser kontinuierliches Monitoring mit. Unsere Nachhaltigkeitsresearch-Analyst*innen – das sind Menschen, die jedes Unternehmen vor Aufnahme in das GLS Anlageuniversum nach Nachhaltigkeitskriterien analysieren – gehen dann mit dem Unternehmen ins Gespräch und verlangen eine Stellungnahme bzw. erwarten einen Plan, wie sich das Unternehmen verbessern möchte.

Vierter Wirkhebel: Schenkgeld

Einige unserer Angebote haben wir bewusst mit der Komponente Schenkgeld versehen. Doch wie kann Schenkgeld ein Wirkhebel sein? Ein Teil unserer Einnahmen aus dem GLS Bank Klimafonds spenden wir beispielsweise an Initiativen und Projekte, die sich für den Klimaschutz einsetzen oder Klimabildung vorantreiben. Dabei suchen wir vor allem Projekte aus, die dringend finanzielle Unterstützung brauchen.

Auch im Bereich Mikrofinanz verstärken wir unsere Wirkung mit Schenkgeldern in Form von „Technical Assistance“-Programmen. Was bedeutet das? Dass wir neben der Bereitstellung von Krediten kostenlos Weiterbildung ermöglichen. Oft ist nicht das Geld allein entscheidend, sondern das Wissen, wie ich damit umgehe bzw. wie und wofür ich es am besten einsetze. So hat die GLS Investments gemeinsam mit der Frankfurt School Impact Finance beispielsweise mehrtägige Schulungen zum Einsatz von Pestiziden in Ecuador und Nicaragua organisiert.

Fazit: Die Frage nach der Wirkung von Investmentfonds lässt sich nur schwer in Zahlen-Skalen pressen. Dennoch wirken die GLS Fonds sehr vielfältig! Jeder Investmentfonds hat eine andere Wirkung.

Fragen?

Hast du Fragen zu einem der Wirkhebel von Investmentfonds? Wir werden sie in einer kleinen Blogreihe in den kommenden Wochen näher erläutern. Mit welchem Wirkhebel sollen wir uns zuerst beschäftigen? Schreib‘ uns deinen Favoriten in das Kommentarfeld.

Das könnte dich interessieren: Unsere 5 wichtigen Begriffe in der Welt der nachhaltigen Geldanlage.

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3 Antworten zu „Nur noch kurz die Welt retten: Mit nachhaltigen Investmentfonds?“

  1. Avatar von Matthias Losert
    Matthias Losert

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    Wenn Sie ein Signal setzen wollen, legen Sie ihre Nachhaltigkeitsbewertung im Güterkreislauf offen. Physikalisch wäre das der Zweite Thermodynamische Hauptsatz mit der Gleichung „Grüne Null“ = 1 – (k/n) mit 0 < k für tatsächlicher Nutzen < n für möglichen Nutzen. Der Ur-Markt (k/n) kann als Matrix mit Vektoren für Entwicklungsmöglichkeiten über Lebenszyklus "Herstellen, Mehrwegnutzen, Umweltverhältnis, Produktlebensdauer, Recycling und Downcycling" dargestellt werden.

    Wenn Sie in den Dialog gehen wollen, dann auch mit dem Staat: schließlich gewährt der Staat nur monetäre Transfers und keine Transfers für den Güterkreislauf. Diese Definition spaltet Ökonomie von Ökologie ab und initiert ein selbstreferentielles Akkumulationssystem, was eine beispiellose Produktivität schuf, die das planetarische Ökosystem gefährdet. In diesem Zusammenhang ist ein De-Risking im Gütermarkt sinnvoll.
    Der Staat könnte von jedem Unternehmen aufgrund seiner Steuerhoheit für den Binnenmarkt einen thermodynamischen Wettbewerb fordern und durch Steuerprogression fördern. Hier gilt das Motto: je näher der Grünen Null, desto geringer der Steuersatz.

    Politisch haben Sie noch einen weiteren Hebel: sie können, wie bei der Wende89, ein neues Wirtschaftssystem wählen. Unsere Wirtschaftswissenschaft ist ein politisches Gesellschaftssystem; und daher gestaltbar.

  2. Avatar von Daniel
    Daniel

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    > Für eine direkte Kapitalbereitstellung gibt es Möglichkeiten im Markt, die wir, wenn möglich, gerne nutzen.

    Die Frage ist aber: wie oft ist das möglich? Wo findet man die Information, welcher Teil des Geldes direkt oder in Aktien angelegt wurde?

    1. Avatar von Charlotte Siering

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      Hallo Daniel,

      danke für dein Interesse! Seit Anfang des Jahres war ungefähr jede 5. Investition der durch uns betreuten Fonds eine direkte Investition, d.h. Kapitalerhöhungen im Bereich der Aktien und häufiger Neuemissionen im Bereich der Anleihen. Leider ist diese Information bisher nicht öffentlich zugänglich. Ob und wie viele Kapitalerhöhungen stattfinden hängt natürlich auch vom Marktumfeld ab.
      Viele Grüße,
      Charlotte

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