Reise in eine andere Welt

Julius Hoderlein, Abiturient des Hölderlin Gymnasiums in Heidelberg, reiste  im Sommer 2012 nach Uganda, um dort Projekte der GLS Treuhand zu besuchen. Für unser Blog reflektiert er seinen Eindrücke und lässt uns an seinen Erfahrungen teilhaben.  „Wie fasse ich auf ein paar Seiten eine Reise zusammen, die einem zeigt, dass wir alle in einer einzigen Welt leben, und die einen doch in eine ganz andere Welt führt? Für fast alle von uns war diese Reise die erste in ein afrikanisches Land.

Unsere Gruppe
Vor ungefähr einem Jahr hatten Verena Koch und Beate Heinrich, Lehrerinnen am Hölderlin Gymnasium in Heidelberg, die Idee, mit dem Seminarkurs zum Thema „Afrika“ eine Spendenaktion für eine Schule in Nambeeta/Uganda zu starten. Langfristig sollte daraus eine Schulpartnerschaft entstehen. Die Zukunftsstiftung Entwicklungshilfe der GLS Treuhand vermittelte dabei zwischen den Schulen.

Bald wurde uns das Angebot eröffnet eine kleine Gruppe zusammenzustellen, welche nach Uganda reisen könne. Hier wollten wir verschiedene Projekte der GLS Treuhand und vor allem die Nambeeta Schule besuchen. Schließlich fanden sich zwei ehemalige Schüler, zwei Studenten und zwei Lehrer zusammen, um unter der Leitung von – oder viel eher zusammen mit – Beatrice Nolte von der Zukunftsstiftung Entwicklungshilfe nach Uganda zu fahren.

Unerwartete Erfahrungen

Was erwarte ich als Heidelberger Abiturient, wenn ich zum ersten Mal nach Uganda fahre? Feucht-heißes Klima, Regenwald und Wüste, abgemagerte Menschen? Natürlich waren wir uns der Klischees bewusst, wir kannten ja Bilder und Berichte aus Uganda. Dennoch hatte ich (und ich glaube ich spreche nicht nur für mich) im Nachhinein gesehen einfach absolut keine Vorstellung von dem, was uns erwarten würde: Die extrem gastfreundlichen Menschen, wunderbar mildes Klima und nicht zuletzt das sehr gute Essen überraschten uns dann doch etwas.

Viele Projektbesuche

Auf unserer Reise durch Uganda besuchten wir viele verschiedene Projekte, die die GLS Treuhand unterstützt, unter anderem sechs Schulen und zwei Ausbildungszentren.

Als erstes besuchten wir die Schule in Nambeeta, wo wir über drei Tage in Zweiergruppen verteilt fast alle Klassen und Unterrichtsfächer besuchten. Besonders beeindruckt haben mich dabei die „Agriculture“ Stunden. Abgesehen davon, dass es in dem riesigen Schulgarten quasi alle Arten von Gemüse gibt, ist es einfach beeindruckend zu sehen, wie die Klassen auf dem „Feld“ arbeiten und auf diese Weise ihre eigene Nahrung herstellen. Der Großteil des in der Schule zubereiteten Essens stammt aus dem Garten und die Kinder lernen nebenbei die Techniken der ökologischen Landwirtschaft. Für mich ist das irgendwie eine wunderbare, wenn auch vielleicht etwas romantische Vorstellung, von dem Leben zu können, was das Land hergibt. Für die Menschen dort ist das selbstverständlich und hat wohl auch weniger die Atmosphäre des Romantischen, als dass es eine schlichte Notwendigkeit ist. Zudem bedeutet es in Abhängigkeit vom Klima zu leben. Und das in einem Land, in dem das Klima seit Jahren wahrscheinlich aufgrund des Klimawandels verrückt spielt.

Als kleines Dankeschön für den Aufenthalt in Nambeeta haben wir der Schule ein paar Indiacas mitgebracht, eine Art Kunststoffball mit Federn daran. Man stellt sich in einen Kreis und versucht den Indiaca mit der flachen Hand zu schlagen, sodass er möglichst lange in der Luft bleibt, ohne den Boden zu berühren. Die Treffer werden mitgezählt. Das wurde sofort auf dem Sportplatz, einer größeren, hügeligen Freifläche, ausprobiert. Man kann sich die Situation so vorstellen: Zwanzig aufgeregte Kinder stehen in einem Kreis, mit der Anzahl der erfolgreichen Annahmen steigt die Begeisterung, und alle zählen im Chor laut mit. Spätestens bei „seven!!“ hat sich dann der Kreis vollends aufgelöst und es ist nur noch eine Masse von vor Begeisterung hüpfenden, schreienden und dem Indiaca hinterher jagenden Kindern zusehen. Ich glaube,  eine solche Spielbegeisterung habe ich noch nie erlebt.

Ein weiterer Höhepunkt war unser Besuch in YARD, der „Youth Association for Rural Development“ in Ngogwe. Die Aufgaben von YARD lassen sich in zwei Bereiche unterteilen. Zum einen schult die Vereinigung Kleinbauern und Kleinbäuerinnen in ökologischer Landwirtschaft, zum anderen organisieren sie das sogenannte „Vocational Training Centre“, das wir besichtigten. Dort werden junge Menschen zu Schreinern, Friseuren, Schneidern,… ausgebildet. Vor allem die Gastfreundschaft der Cateringgruppe kam uns zugute.

In einer Nacht fing es dort gegen 3 Uhr morgens an tropisch zu regnen. Die meisten aus unserer Gruppe waren in kleinen Räumen mit Wellblechdach untergebracht. Ein Wellblechdach bei Regen hat ungefähr dieselben Eigenschaften wie die Membran einer überdimensionalen Trommel. Man versucht also zu schlafen, während Tausende von Tropfen auf das Dach schlagen. Ein traditionelles Strohdach hat diesen Nachteil nicht. Auch erhitzt sich so ein Strohdach im Gegensatz zu einem Wellblechdach in der Sonne nicht. Das Wellblechdach hat also keine Vorteile gegenüber einem Strohdach. Aber es gilt als modern und als Zeichen für Wohlstand.

Was bleibt

Über solcherlei „Unannehmlichkeiten“ sind wir gut hinweggekommen. Als Erinnerung bleibt vor allem die Gastfreundlichkeit der Menschen und ihre Offenheit uns gegenüber. Und die geweckte Sehnsucht nach einem fremden Kontinent, von dem wir einen winzigen Bruchteil mit seinen Menschen, seiner Natur, Kultur und Spiritualität erleben durften.“

 

Bilder

Oben: Julius Horderlein in Uganda.

Mitte: Schüler in Nambeeta lernen praxisorientiert Techniken der ökologischen Landwirtschaft.

Unten: Schüler, Julius und weitere Teilnehmer der Projektreise spielen mit Indiacas.

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