Kinderhospiz Sterntaler

Kinderhospiz Sterntaler: Nah am Menschen

„Unregelmäßige Arbeitszeiten, wenig freie Wochenenden, nicht allzugut bezahlt, dazu physisch und psychisch herausfordernd – trotzdem möchte ich nichts anderes machen“, beschreibt Klaus Konrad seine Arbeit als Krankenpfleger in der häuslichen Pflege beim Kinderhospiz Sterntaler in Mannheim. Der Verein unterstützt schwerstkranke Kinder und ihre Familien auf ihrem schweren Weg.

Jakob

Zum Beispiel Jakob. Zwei bis drei Mal pro Woche ist Klaus Konrad bei dem 14-jährigen. Jakob wird rund um die Uhr künstlich beatmet, über eine Sonde ernährt und sitzt im Rollstuhl. Während der Schulzeit begleitet ihn der Krankenpfleger bis zu elf Stunden am Tag – immer abruf- und einsatzbereit für pflegerische Tätigkeiten wie z. B. die Überwachung der maschinellen Beatmung und vieles mehr, das an einem solchen Tag anfällt. Hat Jakob schulfrei, geht es entspannter zu. Da genießt der Teenager durchaus mal länger im Bett liegen bleiben zu können. Während den pflegerischen Tätigkeiten laufen dann auch Youtube Videos, reden sie über Fußball oder führen „Männergespräche“. Bei schönem Wetter wird natürlich draußen Sonne getankt.

Noch eine tolle Zeit im Kinderhospiz

Klaus Konrad führt er mit den betroffenen Familien Gespräche übers Sterben. Mit den Kindern sei das oft einfacher als mit den Eltern. „Sie hadern nicht, sondern erinnern sich mit Begeisterung daran, was sie Schönes erlebt haben“, beschreibt Klaus Konrad. „Natürlich haben sie Angst und wollen wissen, wie das sein wird, wenn sie sterben.“ In solchen Momenten sei es wichtig, ehrlich zu sein und keine heile Welt vorzuspielen. Seine Kollegen bezeichnen ihn schon mal als „Fels in der Brandung“. „Mein Ziel ist es, den Kindern und Familien, die Zeit, die ihnen bleibt, so toll, so lebenswert, so würdig wie möglich zu gestalten, dem Kind alles zukommen zu lassen, was es braucht“, sagt Konrad. „Wenn ich am Ende des Tages sagen kann, heute habe ich das Maximum für das Kind rausgeholt, bin ich zufrieden.“

Intensiv

Wäre es nach dem Willen seiner Eltern gegangen, wäre Konrad heute Bibliothekar. Nach dem ersten Ausbildungsjahr stand für ihn allerdings fest, dass „das zu weit weg war vom Menschen.“ Er sattelte um. Mehr als zwanzig Jahre arbeitete Klaus Konrad auf verschiedenen Intensivstationen, lange Zeit davon in Leitungspositionen. „Das war sehr abwechslungsreich, auch fordernd, aber man konnte viel erreichen für die Menschen.“ Als dann in den Krankenhäusern die wirtschaftlichen Aspekte immer stärker in den Vordergrund rückten, suchte er 2014 nach einer anderen Tätigkeit in der Pflege. Zufällig stieß er auf eine Stellenanzeige der Sterntaler. Die luden ihn erst einmal ein zu hospitieren. Konrad war neugierig. „Ich wusste, ich geh zu einem beatmeten Kind, das sowohl zur Schule geht, als auch Campingurlaub mit den Eltern macht, was aus meiner damaligen Perspektive des Intensivpflegers unvorstellbar war.“

Gleich an seinem ersten Tag bei den Sterntalern lernte er Jakob kennen. „Er grinste mich aus seinem Rollstuhl an und wir waren sofort auf einer Wellenlänge.“, erinnert sich Konrad. „Jakob machte es mir leicht“. Nach diesem Tag war Klaus Konrad klar, „das mache ich.“ Ans Aufhören denkt er noch lange nicht.

Website: Kinderhospiz Sterntaler

Fotos: GLS Bank Archiv, Fotograf Hendrik Rauch

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  1. Schade, dass die Menschlichkeit in Medizin und Pflege erst dann wieder Einzug hält, wenn es ans Sterben geht. Ich kann Klaus sehr gut verstehen, wieviel mehr Freude er heute an seiner Arbeit hat.
    Ich war früher selber in der Pflege tätig und genieße heute als Klinikclown alle Freiheiten. Im Kinderhospiz fühle ich mich besonders wohl. Mit dem achtjährigen Nico kann ich z.B. eine halbe Stunde nur mit Quatsch machen verbringen. Besonders liebt er Pups- und Grimassenspiele. Dann kommt er aus dem Lachen nicht mehr raus.
    Ich wünsche Klaus noch ganz viel Spaß!

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