Corona: globaler Süden

„Covid19 spezial“ – Blick in den globalen Süden

Drohen wegen der Coronakrise schon die europäischen Gesundheitssysteme unter der Zahl der Erkrankten zusammenzubrechen, so ist die medizinische Versorgung in den Ländern des globalen Südens schlichtweg nicht existent. Ganz Nepal verfügt zum Beispiel über fünf Betten mit Beatmungsgeräten. Partner der GLS Zukunftsstiftung Entwicklung berichten über die Probleme in Peru und Indien.

Ein Beitrag von Dr. Annette Massmann, Geschäftsführerin der Zukunftsstiftung Entwicklung

Shutdown weltweit

Der Shutdown des öffentlichen Lebens zog nach und nach über den gesamten Erdball. Die Maßnahmen reichen von nächtlichen Ausgangsbeschränkungen in Kenia bis zu totalen Sperren in Peru. Hier dürfen Männer montags, mittwochs und freitags für zwei Stunden das Haus zum Einkaufen verlassen. Frauen dienstags, donnerstags und samstags. Die Ge­schlechtsunterscheidung soll Polizei und Militärs die Kontrolle erleichtern. Sonntags gilt eine absolute Ausgangssperre. Dies wird mit martialischem Panzeraufgebot an der Grenze zu Ecuador begleitet. Als Abschreckung vor Grenzübertritten, denn in Ecuador gibt es offiziell mehr Corona-Infizierte als in Peru.

Wirtschaft auf Talfahrt

Je härter die USA und China von der Pandemie getroffen sind, desto dramatischer wird die Talfahrt für die peruanische Wirtschaft ausfallen, da China und die USA die Hauptimporteure peruanischer Produkte sind. Ähnliches ist in den meisten Ländern des globalen Südens zu erwarten, deren Volkswirtschaften wesentlich vom Export von Rohstoffen abhängen. Eine Krise in den Abnehmerländern führt unmittelbar zu einer massiven Krise in den produzierenden Ländern.

Hilfe nur für wenige

Zudem arbeiten rund 70% der Bevölkerung ohne soziale Absicherung. Die meisten Menschen sind Tagelöhner. Was sie mit ihrer täglichen Arbeit verdienen, geben sie sofort aus, um sich und ihre Familien zu ernähren. Ohne tägliche Bezahlung kein Essen. Für die ersten zwei Wochen der Ausgangssperre zahlte die peruanische Regierung diesen Menschen 380 Soles, ungefähr 100 Euro. Allerdings nur denjenigen, die in Wohnvierteln ordentlich registriert sind. In den illegal gebauten Slumsiedlungen rund um die Hauptstadt Lima und in anderer Städten gehen die meisten Menschen dabei leer aus.

Exodus der indischen Tagelöhner*innen

Nicht besser ist die Lage in Indien, wo der Shutdown einen Exodus von Millionen Tagelöhner*innen aus den Metropolen des Subkontinents auslöste. Damit begann eine humanitäre Krise ungeahnten Ausmaßes. Ohne ausreichende Nahrung, ohne Geld und zu Fuß werden diese Reisen zu menschlichen Tragödien Jetzt trägt nur noch der Rückzug „nach Hause“ in die Dörfer und zurück zur Familie. Dort angekommen treffen die Wanderarbeiter*innen aber meist auf Ablehnung. Die Bauern und Bäuerinnen fürchteten die Ansteckung. Auch gibt es nicht genug Lebensmittel, um die „Rückkehrer*innen“ zu versorgen. Dass die von der Regierung Modi angekündigten 22 Billionen Rupien Hilfszahlungen die Bedürftigen flächendeckend erreichen, ist angesichts indischer Korruptionsverhältnisse mehr als fragwürdig.

Es muss anders werden im globalen Süden

Schon heute wird deutlich, dass die Menschen in den Ländern des Südens nicht nur vom Coronavirus bedroht werden. Auch die sozial-ökonomischen Auswirkungen der Schließung des öffentlichen Lebens wird viele Todesfälle fordern. Menschen, die ohnehin zu den Marginalisierten dieser Welt zählen, werden von den Maßnahmen zur Eindämmung möglicher Infektionen am heftigs­ten getroffen. Die Coronakrise zeigt die Brüche unserer Welt besonders klar. Sie zeigt, dass all diejenigen, die sich Gedanken über tragfähige Zukünfte machen, dafür einsetzen sollten, Güter der unmittelbaren Daseinsvorsorge zu schützen. Dazu zählen  Wälder, Boden, Was­ser, samenfestes Saatgut. die Krise zeigt aber auch, dass der Zugang zu bezahlbarem Wohnraum, Bildung und Gesundheitsversorgung erhalten bleiben muss. Sie zeigt, dass wir für den Erhalt unseres demokratisch verfassten Gemeinwesens Sorge tra­gen müssen.

ZSE Corona: globaler Süden

Für eine bessere Welt

Als GLS Zukunftsstiftung Entwicklung hoffen wir, dass wir im Zuge dieser Krise unsere Wirtschaft im Sinne einer Daseinsvorsorge besser und nach­haltiger organisieren können. Gleichzeitig möchten wir uns als Stiftung für unsere Partner im globalen Süden einsetzen. Dafür sind wir auf eure Mithilfe angewiesen. Wir sammeln Spenden für die Corona-Nothilfe, damit unsere Partner im globalen Süden Bedürftige mit Lebens­mitteln ver­sorgen können, damit sie Seife und Desinfektionsmittel herstellen oder Masken nähen können. Wir sammeln, damit unsere Projektpartner und die Leh­rer*innen in unseren Partnerschulen weiter tätig sein können und die Krise nicht dazu führt, dass über Jahre konsequent aufgebaute Organisationen und Netzwerke zerschlagen werden. Helft uns zu helfen!

Mehr Corona
In unserer Serie „Covid19 Spezial“ beleuchten wir unterschiedlichste Aspekte des Lebens in Zeiten der Coronakrise. Alle Artikel dazu findet Ihr hier.

GLS Treuhand / Dr. Annette MassmannAls Geschäftsführerin der Zukunftsstiftung Entwicklung ist Dr. Annette Massmann zuständig für die allgemeine Geschäftstätigkeit sowie Mitteleinwerbung und Mittelzuwendung. Dabei stehen bei ihrer Arbeit die Menschen vor Ort im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Für ihr langjähriges Engagement ist sie vom Magazin Edition F ausgezeichnet worden. Als eine von 25 Frauen, „die unsere Wirtschaft revolutionieren“, prägt sie vor allem die entwicklungspolitische Debatte in Deutschland. Zurzeit fördert die Zukunftsstiftung 77 Projekte in über 18 Ländern. Die Schwerpunkte der Förderung liegen in den Bereichen biologischer Landbau, Kleinbäuerinnen, Frauen, Kleingewerbe, Bildung und Gesundheit.

Fotos
Titel: WFN/Zukunftsstiftung Entwicklung; Nepal,
TipTap Wasserspender: Julia Feldhausen, Zukunftsstiftung Entwicklung

GLS Bank – Podcast // Folge 5 – GLS Treuhand & Dr. Annette Massmann

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