„Verantwortung übernehmen für das, was uns wichtig ist“ – Landwirtschaft und Gemeingüter

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Ein Interview mit Michael Lieberoth-Leden von der GLS Treuhand

Michael Lieberoth-Leden, Vorstandsmitglied der GLS TreuhandEnde März fand in Kassel die dritte landwirtschaftliche Tagung der GLS Treuhand statt. Das Ziel: Stadt- und Landmenschen in Sachen Gemeingüter* zusammenzubringen. Rund 100 Menschen kamen, zahlreiche Projekte gaben Einblick in ihre Arbeit. Wir sprachen mit Michael Lieberoth-Leden, Vorstandsmitglied der GLS Treuhand und Organisator der Veranstaltung.

Was hat Landwirtschaft mit Gemeingütern zu tun, welche Rolle spielt die GLS Treuhand dabei?

Landwirtschaft und die Erzeugung von Nahrungsmitteln waren schon in den Anfangszeiten der GLS Treuhand vor 50 Jahren ein wichtiges Thema. Beides ist Grundlage für alles andere, wir brauchen gesunde Nahrung, um zu arbeiten und zu leben. Damit Menschen Verantwortung für die Erzeugung ihrer Nahrung übernehmen konnten, mussten aber auch Menschengruppen einen Hof übernehmen können, außerhalb der üblichen Erbfolge. Dafür entwickelte die GLS Treuhand das Modell der gemeinnützigen Trägerschaft, bei dem Höfe von gemeinnützigen Vereinen übernommen und von einer Betriebsgemeinschaft bewirtschaftet werden.

Das Prinzip, für das, was uns wichtig ist, Verantwortung zu übernehmen, kennzeichnet auch die heutige Gemeingüterbewegung. In der Landwirtschaft gibt es jetzt die sogenannten CSA (Community Supported Agriculture oder solidarische Landwirtschaft), die sich um einen Hof herum bilden. Sie zahlen Geld im Voraus, garantieren bestimmte Abnahmemengen, planen manchmal sogar zusammen mit den Landwirten, welche Nahrungsmittel angebaut werden.

Unser Ziel ist es, in der Landwirtschaft den Brückenschlag zwischen den „alten“ gemeinnützigen Hofgemeinschaften und den „jungen“ Gemeingüterinitiativen hinzubekommen.

Was kann die Gemeingüterbewegung zur gesellschaftlichen Entwicklung beitragen?

Gemeinsam Dinge nach unseren eigenen Vorstellungen zu schaffen, gibt sehr viel Kraft, die man heute dringend braucht, um handlungsfähig zu bleiben. Der Staat stößt an seine Grenzen, zum Beispiel im Bildungsbereich, im sozialen Bereich. Bei der Gemeingüterbewegung richtet sich meist auch der Blick auf Mensch und Natur, sie werden als Gesamtheit gesehen.

Welche Rolle spielt das Internet bei der Bewegung?

Man erlebt auf allen Treffen, dass sehr stark über das Internet kommuniziert wird. Es beschleunigt, dass Menschen sich finden.

Wie geht es bei der GLS Treuhand weiter in Sachen Gemeingüter und Landwirtschaft?

Wir wollen die Gemeingüterbewegung stärken, indem wir unsere fachliche Kompetenz zur Verfügung stellen. So haben wir unter anderem einen Arbeitskreis aus Juristen, Steuerberatern und Bankern geründet, die mit ihrem Wissen bundesweit sowohl den Gemeinnützigen wie den CSA beratend zur Seite stehen.

Wo kann ich selbst aktiv werden?

Am Anfang stehen Fragen. Wofür brenne ich selbst am meisten? Wo bin ich kompetent? Was macht mir Freude? Kann ich Zeit investieren? Bin ich teamfähig? Welche Initiativen gibt es in meiner Region? Das erfährt man im Internet oder eben durch einen Anruf bei der GLS Treuhand. Es gibt 185 Höfe in gemeinnütziger Trägerschaft, bei denen man mitarbeiten aber auch eigene Anliegen einbringen kann.

*Unter Gemeingütern versteht man zunächst ganz allgemein Güter, die zwar nicht allen gehören, aber auch nicht einem einzelnen Menschen gehören können, zum Beispiel Luft, Wasser, das Internet oder bestimmtes Wissen. Zum Gemeingut werden solche Dinge oder Ideen dann, wenn sich eine Gemeinschaft von „Commonors“ bildet, die sich um die Bewirtschaftung des Gutes kümmert.

Weitere Informationen

Von der Wiederentdeckung der Gemeinheit, Artikel von Silke Helfrich auf der Website der GLS Treuhand

Landwirtschaft als Gemeingut, Blogbeitrag zum 3. landwirtschaftlichen Treffen der GLs Treuhand von Jens Brehl

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