„Nicht nur beim Schach wird der Bauer geopfert, damit die Großen höhere Sprünge machen können.“

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Sarah Wiener und Martin Schulz, Bundesvorstand des AbL, kurz vor der Abschlusskundgebung am Kanzleramt

Dumpingpreise, überfüllte Ställe, Pestizide, keine Wertschätzung. Kurzum: „Wir haben es satt.“  Vergangenen Samstag demonstrierten rund 23.000 Menschen in Berlin gegen die Agrarindustrie und für eine bäuerliche und ökologischere Zukunftslandwirtschaft. Ihre Forderungen: Die Politik müsse jetzt die Weichen stellen, für Bauernhöfe, die umwelt- und klimafreundlich wirtschaften. Tierschutz, Ökolandbau und Ernährungssouveränität. Die gefürchtete Einführung von CETA und TTIP standen ebenfalls auf der Agenda. „Die Menschen wollen gentechnikfreie Lebensmittel auf ihren Tellern, sie wollen artgerecht gehaltene Kühe und sind entsetzt über geschredderte männliche Küken,“ erläutert Verena Wahl, Mitarbeiterin der Zukunftsstiftung Landwirtschaft und AbL-Aktivistin.

„Hauptsache billig, egal was es kostet.“

billig_400x300Zwischen den Bauern, Imkern und Lebensmittelhandwerkern tummelten sich Aktivisten aus aller Welt. Teilweise waren sie mit dem Trecker angereist – 12 Stunden und mehr quer durch Deutschland, um ihrer Wut über die vernichtend niedrigen Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse Luft zu machen. Und das gilt nicht nur für Deutschland: Überproduktion und die Dumpingpreise der Exportwirtschaft zerstören ebenso die Existenzen afrikanischer und indischer Bauern.

In der Heinrich-Böll-Stiftung stellten sich beim politischen Suppentopf im 5-Minuten-Takt einzelne Initiativen vor, suchten Unterstützung für ihre Appelle oder luden zur nächsten Demo gegen den Verkauf von Braunkohlekraftwerken an ausländische Investoren ein. Mit dabei waren natürlich auch die Kolleginnen und Kollegen von der BioBoden Genossenschaft und von 2000m2.

„Food is not a weapon.“

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Unter den Demonstranten viele junge Menschen

Essen ist keine Waffe – für uns ist das selbstverständlich. Doch leider sieht die bittere Wahrheit in Syrien anders aus. Seit Monaten werden Städte bombardiert, belagert und abgeriegelt. Nahrungsmittel bzw. der Hunger resultierend aus fehlender Nahrung, werden als Waffe missbraucht. 15th Garden ist ein Netzwerk, das die Nahrungssouveränität vor Ort wieder entstehen lässt und verteidigt. Saatgut wird getauscht und reproduziert, landwirtschaftliche Fertigkeiten und Wissen werden weitergetragen. Jedes Dach, jeder Winkel, manchmal nur wenige Meter groß, werden genutzt, um Gemüse & Co anzubauen. Durch diesen Einsatz konnten die Preise für Gemüse und Obst soweit gesenkt werden, dass immer mehr Menschen in den belagerten Gebieten sich diese wieder leisten können. „Wir haben gelernt, was der Begriff ‚Nahrungssouveränität‘ wirklich bedeutet,“ sagte Abdalla All-Shar. Selbst aus Syrien geflohen, unterstützt er 15th Garden nun außerhalb seines Mutterlandes. Die große Herausforderung sei nach wie vor, das Saatgut in die Gebiete zu transportieren. Gesammelt wurde und wird es von Save Our Seed und auch von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft. „Wir haben einen Weg gefunden, es kommt an“, versicherte uns Abdalla All-Shar.

 

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