Unser Alltag kreiert Menschenrechtsverletzungen

Unser Alltag kreiert Menschenrechtsverletzungen

Die Aktivistin Luisa Neubauer setzt in der aktuellen Ukrainekrise auf Unternehmen und wünscht sich mehr Politik, die Wahrheiten ausspricht.

Fridays for Future hat den Klimaschutz erfolgreich auf die Agenda und in die Gesellschaft gebracht. Was fordert ihr von den Unternehmen?

Das sind vor allem drei Sachen: Erstens, ehrlich zu sein und zu überprüfen, nach welchen Prioritäten ein Unternehmen betrieben wird, wie Ressourcen genutzt werden. Zweitens, sich einzugestehen, dass eine Wirtschaft, die unsere Lebensgrundlage zerstört, keine Zukunft hat. Damit steht ein riesiger Umbau bevor, von dem sich keiner ausnehmen kann. Das Dritte ist, sich zusammenzutun und andere Unternehmen in die Pflicht zu nehmen. Darüber zu sprechen, sich vernetzen, es zum Thema zu machen. Die politische Stimme nutzen und verhindern, dass eine weitere Regierung sich hinter scheinbaren wirtschaftlichen Interessen versteckt, wenn es darum geht, den Klimaschutz voranzubringen.

Die GLS Bank mobilisiert seit drei Jahren Unternehmen für die Klimastreiks. Warum sind Unternehmen so wichtig?

Unternehmen waren jahrzehntelang eine Art Verteidigungsmechanismus für die Regierung. Tenor: Wir würden ja gerne, aber die Wirtschaft ja nicht. Das muss sich umdrehen. Die Unternehmen müssen Interesse haben, den Klimaschutz mitzugestalten. Wir sprechen von einem unglaublich kleinen Zeitfenster, was bleibt: In den nächsten drei Jahren müssen wir Weltbewegendes leisten.

Was fordert ihr von der Regierung?

Der Krieg in der Ukraine zeigt auf, wie brenzlig die Lage ist. Es ist nichts Neues, dass fossile Energien Autokraten stärken, Konflikte schüren und Abhängigkeiten schaffen. Wir haben sehenden Auges die Abhängigkeit ausgebaut. Und die Energiewende blockiert. Während die sechste Woche des Krieges anbricht, tritt der UN-Generalsekretär Guterres vor die Weltöffentlichkeit und erklärt, dass der Klimakollaps infrage stellt, ob wir als Menschheit da überhaupt wieder rauskommen. Wir müssen raus aus den fossilen Energien. Ich verstehe ja, dass für einige Menschen Nostalgie mit dem Rasen auf der Autobahn verbunden ist, aber worüber reden wir? Wir kennen die Bilder aus Butscha. Und der Klimakrise ist es komplett egal, ob wir Spaß am Rasen haben. Es gibt keinen Spielraum mehr.

Ist die Gesellschaft weiter als unsere Politik?

Mit der neuen Regierung hat es sich etwas verschoben. In der Gesellschaft sind viele Dinge bereits selbstverständlich, von denen die Regierung immer noch Angst hat, sie auszusprechen. Beispiel: Es gibt kein Recht auf Energieverschwendung. Unser Alltag kreiert überall auf der Welt Menschenrechtsverletzungen. Das wissen die meisten. Auch ein rein wachstumsorientiertes Wirtschaftssystem findet nicht mehr den Anklang in der Gesellschaft, wie die Politik meint. Die Politik muss Wahrheiten aussprechen, aber wir müssen sie auch einfordern.

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