Geld selber machen

Geld selber machen

Geld ist ein soziales Gestaltungsmittel – wenn wir es dazu machen. So könnte das gemeinsame Motto von  Initiativen lauten, die ihr eigenes Geld herausgeben. Dazu drei Beispiele.

Der Chiemgauer

Sechs Schülerinnen, die mit dem Farbkopierer an der Waldorfschule Prien selbst gestaltete Geldscheine drucken – so hat 2002 der Chiemgauer angefangen. Mit viel Einsatz bringen sie erste Läden dazu, dieses Regionalgeld zu akzeptieren, bald auch in digitaler Form. Eine Marge geht an gemeinnützige Vereine. Mittlerweile werden jährliche Umsätze von über sechs Millionen Euro zusammen mit über 400 Unternehmen gemacht. Das ist ein schöner Erfolg, liegt aber volkswirtschaftlich unter der Wahrnehmungsgrenze.

Die Wirksamkeit besteht – wie schon ganz am Anfang – in der Bewusstseinsbildung: Was bewirkt mein Geld, das ich ausgebe? Wie können regionale Kreisläufe aufgebaut werden? Seit drei Jahren setzt der Chiemgauer mit „Klimaboni“ außerdem Anreize zur CO2-Reduktion in Kooperation mit Kommunen. „Die großen Veränderungen passieren in Symbiose von Zivilgesellschaft und Staat“, so Christian Gelleri vom Chiemgauer.

SARDEX

Der Start war auf Sardinien, dann folgten 15 weitere italienische Regionen. Bereits mehr als 10.000 Unternehmen akzeptieren mittlerweile den SARDEX. Der wesentliche Grund für diesen Erfolg: In vielen Regionen ging die ökonomische Nachfrage zurück. Mit der Regionalwährung haben die Unternehmen die Chance, zusätzlich zum Euro ihre Umsätze zu erhöhen. Dadurch können Kreisläufe zur Impulsierung der regionalen Wirtschaft entstehen. Dass dies gelingt, wurde in ersten Regionen bereits nachgewiesen.

In der Schweiz gibt es bereits seit 1934 ein vergleichbares System, damals als Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise gegründet. Der „WIR-Franken“ ist aufgrund der stabilen Schweizer Wirtschaft derzeit zwar rückläufig, aber mit jährlich über 500 Millionen Euro immer noch die größte Komplementärwährung weltweit.

TALER

Die Europäische Zentralbank kündigte jetzt den digitalen Euro für 2025 an. Ein Girokonto bei einer Bank braucht man dann nicht mehr und Zahlen wird viel kostengünstiger. Aber wie sieht es mit unseren Daten aus? Wer darauf Zugriff hat, weiß viel über unser Leben und kann steuernd eingreifen. Die Initiative TALER hat dagegen eine digitales Zahlungssystem auf der Basis von freier Software kreiert, als Gemeinschaftsprojekt.

Die Nutzer*innen haben die maximale informationelle Selbstbestimmung. Wie beim Bargeld kann eine Zahlung nicht dem Nutzer zugeordnet werden. Gestartet werden könnte mit der Bezahlung von Kleinstbeträgen für einzelne Musikstücke und Texte im Internet. Bislang rechnen sich die Buchungen von Centbeträgen nicht. Das soll mit TALER möglich werden – und die Befähigung von Communities, sichere Zahlungssysteme zu etablieren.

Eigenes Geld — warum?

Die Absichten zum Design von Geld sind verschieden:
• Vermögen vor Währungscrash schützen (Golddeckung, blockchain)
• Wirtschaft fördern (SARDEX, WIR)
• nachhaltiges Verhalten fördern (Chiemgauer)
• informationelle Selbstbestimmung (TALER)
• Communities kreieren (alle)

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Den kompletten Bankspiegel 2022/1 – „Im Umbruch – Initiativen, die Mut machen“ inklusive der transparenten Kreditliste, kann man auch hier als PDF downloaden (3,5 Mbyte).

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