Botschafter für mehr Nachhaltigkeit

Der World Future Council will künftigen Generationen eine intakte Welt übergeben. Im letzten Jahr haben wir kurz über den World Future Council (WFC) berichtet. Jetzt, ein Jahr später, möchten wir unsere Leserinnen und Leser ausführlicher informieren. Denn der World Future Council hat sich weiterentwickelt mit mehr Arbeitsbereichen, vielen Aktivitäten und globaler Vernetzung.

Was ist der World Future Council?

Jakob von Uexküll: Der World Future Council ist eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Hamburg. Wir sind fast 50 ehrenamtliche Ratsmitglieder aus aller Welt und gemeinsam mit unseren Mitarbeitern haben wir das Ziel, zukünftigen Generationen eine intakte Welt zu übergeben. Wir möchten nachhaltiges Handeln und Wirtschaften begünstigen. Dazu identifizieren wir politische Rahmen-bedingungen, entwickeln konkrete Gesetzesentwürfe und versuchen, Politiker in den relevanten Positionen für unsere Vorschläge zu begeistern.

Wie kam es zur Gründung des World Future Council?

Jakob von Uexküll: Ich habe 2004 in einem Interview mit dem deutschen SWR-Radio davon gesprochen, dass ein solches globales Forum von respektierten Persönlich-keiten eine wichtige Rolle für die Schaffung einer besseren Welt spielen könnte. Der SWR-Redakteur brachte mich daraufhin mit Graf Hans von der Groeben in Verbindung, der die Initiative zur Gründung des World Future Council finanzierte. So kam der Stein ins Rollen.

Mit welchen Themen befassen Sie sich zurzeit besonders intensiv?

Alexandra Wandel: 2010 ist das „Internationale Jahr der Artenvielfalt“. Wir werden im Oktober auf der UN-Biodiversitätskonferenz im japanischen Nagoya effektive Gesetze für den Erhalt biologischer Vielfalt präsentieren – einem dieser vorbildlichen Gesetze wird in diesem Jahr unser Future Policy Award verliehen. 2009 hat ein Gesetz zur Nahrungsmittelsicherheit im brasilianischen Belo Horizonte den Preis erhalten, weil es einen Rückgang der Kindersterblichkeit um 60 Prozent bewirkte.

Sie engagieren sich mit der Future-Finance-Kommission für eine Neugestaltung des Finanzsystems und arbeiten dabei eng mit der GLS Bank zusammen. Was ist Ziel dieser Arbeitsgruppe?

Jakob von Uexküll: Wir wollen ein gerechtes, krisenfestes und nachhaltiges Wirtschafts- und Finanzsystem entwickeln. Zum Beispiel mit der Verbreitung von Gesetzen, die Kredite für zukunftsweisende Projekte unterstützen, die Finanzmärkte stabilisieren und Spekulationsblasen verhindern. Auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen haben wir vorgeschlagen, mithilfe sogenannter Sonderziehungsrechte den weltweiten Übergang zu erneuerbaren Energien zu finanzieren. Sonderziehungsrechte sind eine Art künstliche Währung, die der Internationale Währungsfonds (IWF) nutzt, um Staaten mehr Liquidität zu verleihen. Die Federführung des Projekts könnten beispielsweise Organisationen der Vereinten Nationen übernehmen. Dieser Vorschlag wird inzwischen breit diskutiert.

Was verbindet den World Future Council darüber hinaus mit der GLS Bank und der GLS Treuhand?

Alexandra Wandel: Uns verbinden gemeinsame Ziele: ökosoziales Wirtschaften sowie die Fürsorge für Gemeingüter wie die Saatenvielfalt. Wir ergänzen und unterstützen uns.

Der World Future Council versteht Gesetzesreformen als probates Mittel, um seine Ziele und Vorstellungen durchzusetzen. Wäre es nicht von Vorteil, eine Partei zu sein, um direkt ins Politikgeschehen eingreifen zu können?

Jakob von Uexküll: Nein, auf keinen Fall. Unser Anliegen ist es ja, Politiker zu informieren und zu beraten. Wir treten dabei als unabhängige Experten auf und genießen dadurch einen großen Vertrauensvorschuss. Das wäre mit einer Partei nicht möglich.

Viele bekannte Persönlichkeiten engagieren sich für den World Future Council, zum Beispiel die Bürgerrechtlerin Vandana Shiva oder Christopher Weeramantry, ehemaliger Vize-Präsident des Internationalen Gerichtshofs. Wie kommen diese Menschen zum World Future Council?

Jakob von Uexküll: Über 8.000 Organisationen in 200 Ländern sowie mehrere Tausend Parlaments-abgeordnete wurden gebeten, die Gründung des Rates zu unterstützen und Ratsmitglieder vorzuschlagen. Aus diesen Vorschlägen kristallisierten sich die 20 Gründungsmitglieder des World Future Council heraus, die seit 2007 weitere Ratsmitglieder gewählt haben. Alle Ratsmitglieder haben in ihren Ländern bereits positive Veränderungen bewirkt und engagieren sich ehrenamtlich für die Rechte zukünftiger Generationen.

Wie können sich Bürgerinnen und Bürger beim World Future Council engagieren?

Jakob von Uexküll: Am besten können sie uns helfen, indem sie uns finanziell unterstützen, damit wir mehr Mitarbeiter mit dieser Aufgabe betrauen und mehr Politiker beraten können. Denn noch ist unser Budget im Vergleich zu dem von Lobbyisten aus der Nuklear-, Öl- oder Waffenindustrie verschwindend gering. Außerdem kann jeder helfen, uns bekannter zu machen, indem er unsere Informationsmaterialien anfordert und sie auf Veranstaltungen auslegt oder verteilt.


Frau Wandel, wie sind Sie zum WFC gekommen?

Alexandra Wandel: Nach fünfzehnjähriger Erfahrung bei verschiedenen großen Umweltorganisationen und im Europaparlament hatte ich das Bedürfnis, für eine global vernetzte Organisation zu arbeiten, die sich auf die Verbreitung von Lösungen konzentriert. Mit dem World Future Council konnte ich in kurzer Zeit so viel Positives erreichen – das ist für mich ein bisher einzigartiges Erlebnis.

Wo sehen Sie den World Future Council in fünf Jahren?

Jakob von Uexküll: Im Jahre 2015 ist der WFC weltweit dafür bekannt, erfolgreich zukunftsgerechte Politikansätze zu verbreiten. Bei der Entwicklung neuer politischer Rahmenbedingungen werden wir von Entscheidungsträgern aktiv zurate gezogen. Unser Future Policy Award wird ein anerkanntes Gütesiegel sein und helfen, die prämierten Gesetze schnell und effizient zu verbreiten.

Mehr zum World Future Council erfahren Sie unter http://www.worldfuturecouncil.org/startseite.html

Das Interview führte Katrin Schaefer

  1. Übernommener Kommentar*

    Danke. Sehr lesenswerte Informationen. Und erfreulich noch dazu. Viel Erfolg !

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