Von Zwickmühlen und dem Bankgeheimnis

Monat für Monat werden rund zweitausend Menschen und Unternehmen Kunde*in der GLS Bank. Das ist eine Erfolgsgeschichte, über die wir uns als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der GLS Bank sehr freuen.

Es zeigt, dass unser Anliegen, sozial-ökologische Geldanlagen und Finanzierungen mehr und mehr in die Mitte der Gesellschaft zu tragen, zunehmend relevanter wird. Menschen machen sich Gedanken darüber, was mit ihrem Geld passiert. Und Menschen handeln.

Doch wo viel Licht ist, ist  manchmal auch etwas Schatten. Da die meisten Konten über das Internet eröffnet werden, kommt es hin und wieder vor, dass Unternehmen, Einrichtungen und Stiftungen bei uns Konten eröffnen, mit deren Werten wir uns in keiner Weise identifizieren. Anders als bei unseren Finanzierungen, wo wir in jedem Fall die Einhaltung unserer GLS Anlagekriterien prüfen, ist es uns bei normalen Geschäftskonten allein aufgrund der Masse nicht möglich, jeden einzelnen Fall zu betrachten.

So kommt es hin und wieder vor, dass aufmerksame Menschen uns auf Geschäftskunden hinweisen, deren Äußerungen oder Handlungen nicht zu uns passen. Wir werden aufgefordert, Stellung zu beziehen und die Konten zu kündigen. So nachvollziehbar der Wunsch im Einzelfall ist – für uns in der Bank ist das eine  Zwickmühle.

Aufgrund des Bankgeheimnisses ist es uns ohne Zustimmung der Geschäftskunden nicht erlaubt, zu solchen Dingen öffentlich Stellung zu beziehen. Wir dürfen noch nicht einmal bestätigen, ob diese Unternehmen mit uns in einer Geschäftsbeziehung stehen. Dies ist von außen gesehen nur schwer auszuhalten, wirkt es doch angesichts unserer sonstigen Transparenz und Auskunftsfreude etwas befremdlich. Deshalb schildern wir an dieser Stelle, wie wir in diesen Fällen grundsätzlich vorgehen:

Erreicht uns eine solche Information, prüfen wir intern, ob sie stichhaltig und nachvollziehbar ist. Grundlage sind dann auch unsere GLS Kriterien. Wenn wir zu dem Schluss kommen, dass wir mit den betroffenen Unternehmen nicht länger zusammenarbeiten möchten, kündigen wir die Geschäftsbeziehung umgehend aber fristgerecht (d.h. meist mit zweimonatiger Frist). Nur in wenigen Einzelfällen, die von der Schwere des jeweiligen Vergehens abhängen, steht uns ein Sonderkündigungsrecht zu (z.B. bei staatsanwaltlichen Ermittlungen oder Gerichtsurteilen). Trifft dies zu, machen wir auch davon Gebrauch.

Reden dürfen wir darüber jedoch leider nicht.

Wir schöpfen grundsätzlich alle Rechtsmittel aus, die uns zur Verfügung stehen. Leider kommt es jedoch hin und wieder vor, dass aus diesen Kündigungsprozessen Rechtsstreitigkeiten (z.B. einstweilige Verfügungen) resultieren, bis zu deren finalen Entscheidungen wir verpflichtet werden, Konten weiterzuführen.

Ihr seht, das Bankgeheimnis hat manchmal auch kleine Schattenseiten. Daher bitten wir Euch an dieser Stelle um Vertrauen in unsere Arbeit und unser Handeln.

  1. Ich bin Genossenschaftsmitglied und Kunde, kenne Mitarbeiter der Bank, habe mich während der Generalversammlungen schon mit Mitgliedern von Vorstand und Aufsichtsrat unterhalten und habe volles Vertrauen, dass die GLS Bank auch in diesem aktuellen Fall gemäß ihrer nach außen kommunizierten Werte handeln wird.

  2. Monika Wagner

    Ich ärgere mich nicht, ich sehe die Freiheit in allem, aber scheinbar – der Medienlandschaft und diesem Artikel zu entnehmen – ärgern sich manche Kunden über die Entscheidung das Konto zu eröffnen!

  3. Monika Wagner

    Wenn man sich über die eine Bank ärgert (GLS-Bank), kann man ja auch selber Konsequenzen ziehen und zu einer anderen Bank (Triodos, Umweltbank…) gehen! Warum die eigene Verantwortung abgeben???

  4. Ute Börger

    Das Lesen des blog hat mir nach dem Lesen des heutigen taz-Artikels geholfen. Ich möchte mich auf „meine“ Bank verlassen können…

  5. Sehr gut!

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