Monopoly

Mono – oder lieber Poly? Ein Gedankenspiel

In der Zeit der grossen Bankenkrise hatte ich einen Traum: ich sass am Küchentisch und spielte mit meiner Familie Monopoly. Ein Spiel, das ich bisher in unguter Erinnerung hatte: einsames, quälend langes Streben nach dem eigenen Erfolg auf Kosten Anderer mit Nebenwirkungen wie Neid und Schadenfreude. Misserfolg macht einsam, und Erfolg erst recht: zuviel mono (einzeln), zuwenig poly (Vielfalt).

In meinem Traum wurde daraus ein anders Spiel:

Wir machten von vorn herein gemeinsame Sache, und es machte von Beginn an Spass. Zuerst gründeten wir eine gemeinsam verwaltete Bank; in friedlicher Koexistenz zur Monopoly-Bank, die in dem Spiel eine Mischung von öffentlicher Zentralkasse und Zentralbank verkörpert. Das Start-Geld jedes Mitspielers legten wir zusammen, und zahlten es als Einlage in diese Gemeinschafts-Bank ein. Aus diesem Guthaben wurden alle Nutzungs-Gebühren unserer Mitspieler beglichen, wenn diese auf die kostenpflichtigen Spielfelder kamen.

Uns blieb ein kleiner Überschuss. Mit diesem freien Kapital unserer Gemeinschafts-Bank investierten wir in Grundstücke, die wir damit in den Gemeinschafts-Besitz brachten. Es dauerte nur wenige Runden, bis alle Strassen in unserer Hand waren; ebenso das Trinkwasser, die gesamte Energieversorgung und der öffentliche Nahverkehr (die Bahnhöfe, das E- und das Wasserwerk). Nun errichteten wir Häuser und Hotels, bevorzugt in Lagen, in denen hohe Einnahmen zu erwarten waren. Die deftigen, Spielregelkonformen Nutzungsgebühren konnten wir uns schenken, da uns bald ohnehin alles immobile Vermögen gehörte.

Für eine kurze Zeit erlebte die zentrale Monopoly-Bank eine scheinbare Blüte. Sie besass fast die gesamte Umlaufmenge des Geldes. Aber schon jetzt war es nur eine Frage der Zeit, bis ihr das viele Geld ausgehen würde. Denn jedes Mal, wenn ein Spieler über Los ging, wurde eine feste Summe von der Monopoly-Bank ausgezahlt („gehen Sie über Los, ziehen sie den Betrag X ein“).

Bankpleite nach nur einer Stunde

Nach einer Stunde war es dann soweit: buchstäblich alles, auch die gesamte Umlaufmenge des Geldes war jetzt in unserem gemeinschaftlichen Besitz. Die Monopoly-Bank war insolvent und stellte ihr Geschäft ein. Da uns ohnehin alles gehörte, kamen wir auch ohne den Betrag X pro Runde aus. Wir waren in gelöster Stimmung, denn wir hatten eine neue und gute Erfahrung mit diesem Spiel gemacht. Jetzt wäre das Spiel zuende gewesen.

Doch, was für ein Zufall: auch die Nachbarn von nebenan spielten Monopoly. Sie hatten zur gleichen Zeit damit begonnen, und zwar in der herkömmlichen Weise. Während bei unserem Gemeinschafts-Spiel bereits alle Vermögen in einer demokratisch verwalteten Hand lagen, hatten sich dort alle Spieler im klein-klein des Konkurrenzkampfes verhakelt. Die Stimmung war gereizt. Die Wirtschaft kam dort nicht richtig in Schwung. Entweder, man kam nicht auf die richtige Straße, oder man hatte nicht das Geld, Vermögen zu erwerben, bzw. Immobilien zu errichten. Oder es waren einem die Hände gebunden, wegen einer (per Karte gezogenen) Gefängnisstrafe; solange mussten die eigenen Geschäfte ruhen. Außerdem ließen die Mieteinkünfte sehr zu wünschen übrig. Viele Straßen hatten Leerstände und einen sichtbaren Investitionsstau.

Auch in der Monopoly Spielwelt, gibt es schon zahlreiche Varianten.
Auch in der Monopoly Spielwelt, gibt es schon zahlreiche Varianten.

Wir schickten einen unserer Mitspieler zu einem „Auslands-Austausch“ nach nebenan. Alle dort anfallenden Nutzungs-Gebühren beglichen wir aus unserer Gemeinschafts-Bank. Diese Ausgaben hielten sich in engen Grenzen. Der Gast von nebenan, der im Gegenzug bei uns mitspielte, musste bei uns richtig tief in die eigene Tasche greifen, in voller Höhe. Denn bei uns brummte die Wirtschaft, und er war kein Mitglied unserer Bank. Aber das änderte sich schon bald.

Nicht erst der Besuch der Schlossallee mit ein paar Hotels machte deutlich: die Differenz im „Aussenhandel“ fiel eindeutig zu unseren Gunsten aus und entpuppte sich als ein profitabler Geschäftszweig. Und auch ohne diesen Aussenhandels-Überschuß hatten wir genug freies Kapital, dass wir nun umgehend im Spiel unserer Nachbarn investieren konnten. Dazu eröffneten wir dort eine Filiale unserer Gemeinschafts-Bank. Nun war es wiederum nur eine Frage der Zeit, wie lange und wie viele „Auslands-Austausche“ es dauern würde, alle Vermögenswerte des Nachbarspiels zu vergemeinschaften. Auch die dortige Monopoly-Bank stellte ihren Betrieb ein.

Letztlich war dann irgendwann die Kassenlage entscheidend, bis sich auch der letzte Mitspieler von nebenan entschloss, Mitglied unserer Gemeinschafts-Bank zu werden. Mit gleichem Stimmrecht. Bei unserem Wohlstand konnten wir es uns jetzt leisten, sogar zahlungsunfähige Spieler als vollwertige Mitglieder aufzunehmen mit gleichen Rechten am Gemeinschaftsvermögen. Diese Art von freundlichen Übernahmen liessen sich – immer nur eine Frage der Zeit – beliebig weiter fortsetzen; bei vielen weiteren Monopoly spielenden Nachbarn in unserer Straße, in unserem Viertel, in unserer Stadt, usw. Angst vor der Globalisierung? Für uns ein Fremdwort.

Bringt Geld Menschen zusammen?

Zuerst hatten wir das Kapital zusammengebracht. Und dann das Kapital uns. Ist das Kommunistischer Kapitalismus oder kapitalistischer Kommunismus? Oder überhaupt eine Frage irgendeines …-ismus? Egal. Am Ende haben alle gewonnen: jeder Spieler und alle zusammen. Und immer mehr Spieler bei immer mehr Nachbarn. Soweit der Traum: aus „mono“ wurde „poly“. Ich wurde wach.

Noch am selben Tag probierte ich mit meiner Familie das neue Spiel: „wie lange dauert es, bis die Monopoly-Bank kein Geld mehr hat?“ Und tatsächlich, es lief genau wie im Traum. Und als das Spiel zuende war, erzählte ich meinen Kindern, dass man auch im „richtigen“ Leben ein Konto bei einer Gemeinschafts-Bank führen kann. Und dass die Bank das Geld, was sie von uns geliehen bekommt, weiterverleihen kann an Projekte von Menschen die gute Ideen haben, nur eben (noch) nicht genug Geld, eine wirtschaftlich erfolgreiche Sache anzuschieben. Und dass ihre Schule ein gutes Beispiel dafür ist.

Offensichtlich arbeitet das Kapital gemeinschaftlich verwaltet sehr effizient und sozial verträglich. Guter Wille vorausgesetzt. Jeder der es nicht glaubt, kann es ja selber ausprobieren. Und ich frage mich und den Leser: warum sind wir inzwischen nicht schon viel weiter damit gekommen: im Spiel, wie auch im „richtigen“ Leben? Übrigens: Erfunden hat Monopoly eine Sozialreformerin.

Alexander Heinz *1968, Buchbinder-Meister. Forschung und Entwicklung zur Darstellenden Geometrie und ihrer Didaktik. Modellbau, Projekte, Workshops, Vorträge und Publikationen. Eigene Website: Geomenta.com. Frühere Mitarbeit Direkte Demokratie in NRW; Auseinandersetzung mit dem erweiterten Kunstbegriff von Joseph Beuys.

Wir spielen Monopoly!

Fotos: (CC BY 2.0) von Mike Mozart / Monopoly, John Morgan / Monopoly

  1. Spannendes Gedankensplitter, wenn es doch so einfach (und schnell) in der Realität gänge.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.