Menschen stehen vor der Open AIr Bühne des Gutes Morgen Festivals und feiern

Gemeinsam Zukunft feiern

Für viele Menschen wirkt die Zukunft derzeit wie ein dunkler Ort. Diesem Bild hat die GLS Bank Anfang Juni mit ihrem ersten Gutes Morgen Festival überzeugend widersprochen. In der Bochumer Jahrhunderthalle feierten rund 13.000 Besucher*innen die Zukunft als Möglichkeitsraum, den wir gemeinsam gestalten können.

Die Idee: Gutes Morgen Festival

Am 6. und 7. Juni 2026 trafen beim Gutes Morgen Festival in Bochum Kultur, Politik, Innovation und Begeisterung aufeinander. Warum? Um gemeinsam ein Gutes Morgen zu erleben, für möglich zu halten und zu feiern. Der Plan ist aufgegangen: 13.000 Besucher*innen waren da. Gemeinsam haben wir zur Musik von Alice Merton getanzt, inspirierenden Speakern zugehört, Standpunkte diskutiert und Zukunftsideen kennengelernt. Mitmachangebot wie ein Repaircafé oder Blumenbinden sowie Yoga und Parkour haben uns gemeinsam ins Tun gebracht. Weitere Eindrücke findet ihr auf:

„Die Zukunft kommt nicht einfach auf uns zu. Wir haben den Raum, sie aktiv zu gestalten“, sagt Robert Habeck, Ex-Wirtschaftsminister und -Vizekanzler zu Beginn des Festivals vor vollem Saal. Die Hemdsärmel hochgekrempelt wirbt er für einen modernen Zukunftsbegriff: Die Zukunft als Gestaltungsraum sei das Versprechen der Demokratie. Wenn Menschen den Glauben daran verlieren, liege das nicht nur an den Herausforderungen unserer Zeit. Die Ursache sieht Habeck in einem Politikstil, der nur noch den Status quo bearbeite. Die Zukunft würde damit rechten Populist*innen überlassen, deren Visionen in die Vergangenheit führten. Es fehle eine „Geschichte, eine Vision, wo wir hinwollen als Gesellschaft.“

Was ist ein gutes Morgen?

Ob der Kapitalismus für eine solche Zukunft noch die richtige Erzählung ist, bezweifelt etwa Ulrike Herrmann, Wirtschaftsjournalistin und Autorin, in einem von fünf Zukunftstalks an diesem Wochenende. Für sie sei der Kapitalismus per se nichts Schlechtes: Er habe in der breiten Bevölkerung zu mehr Wohlstand geführt. „Sie alle im Saal haben davon profitiert“. Doch das Kernproblem liege darin, dass unsere Wirtschaft im Kapitalismus nur funktioniert, wenn sie wächst. Und das kann sie aufgrund begrenzter Ressourcen nicht.

Wie eine neue Zukunftserzählung aussehen könnte – dafür gibt es auf dem Festival viel Inspiration. Der Wunsch nach Verbundenheit zieht sich dabei durch wie ein roter Faden. Festivalbesucherin Klara erträumt sich „solidarisches Leben für alle“. Jörg Lukat, Oberbürgermeister von Bochum, sieht ein gutes Morgen erreicht, wenn die Gesellschaft „allen Menschen zeigt: Ihr seid willkommen.“ Newsfluencer Fabian Grischkat finanzielle Entlastung und mehr Teilhabe für seine Generation. „Es braucht bezahlbaren Wohnraum und, dass Politik junge Menschen schon ab 14, 15, 16 einbezieht.”

Zukunftsbilder umzusetzen, versteht die GLS Bank seit ihrer Gründung 1974 als ihre Kernaufgabe. „Es gibt bereits so viele Lösungen, die unsere Gesellschaft bereichern können“, sagt Aysel Osmanoglu, Vorständin der GLS Bank. „Die GLS Bank finanziert solche Ideen nicht nur. Wir wollen auch Räume schaffen, sie zu entwickeln. Das Gutes Morgen Festival zeigt, was alles möglich wird, wenn wir gemeinsam ins Handeln kommen.“

Robert Habeck und Aysel Osmanoglu auf der Messe des Gutes Morgen Festivals
Robert Habeck und Aysel Osmanoglu auf der Messe des Gutes Morgen Festivals
Spielen im Bewegungsareal auf dem Gutes Morgen Festival
Spielen im Bewegungsareal
Live-Konzert von Alice Mertion auf der Open Air Bühne des Gutes Morgen Festivals 2026
Alice Merton und Band auf der Open Air Bühne

Erlebbar wird das auf der GLS Nachhaltigkeitsmesse, wo 170 rund sozial-ökologische Unternehmen und gemeinnützige Organisationen zukunftsfähige Ideen präsentieren. Unter den Ausstellenden finden sich Hersteller von Biolebensmitteln, Fair Fashion und Naturkosmetik ebenso wie nachhaltige Anbieter von Ökostrom und Mobilfunk sowie freie Schulen, NGOs oder Medienverlage. Dank der Bandbreite können die Besucher*innen Zukunft mit allen Sinnen entdecken: riechen, schmecken, anfassen und sogar mit nach Hause nehmen. Neben dem Austausch an den Ständen bieten vielfältige Workshops und Mitmachangebote die Möglichkeit, zu konkreten Zukunftsfragen ins Gespräch oder auch ins Handeln zu kommen. Ob beim „Mut-Muskel-Impuls“, beim Erforschen der eigenen Beziehung zu Geld, im Repaircafé oder auf dem Bewegungsparkour – überall entstehen Räume für Begegnungen, die eine bessere Zukunft plötzlich erreichbar wirken lassen.

Dass solche Räume für Austausch keine Selbstverständlichkeit sind, ist Thema im Zukunftstalk zwischen Podcaster Matze Hielscher („Hotel Matze“) und HateAid-Gründerin Anna-Lena von Hodenberg. Das gemeinnützige Unternehmen berät Betroffene von digitaler Gewalt und setzt sich für den Schutz von Meinungsfreiheit im Netz ein. „Eine Demokratie braucht Räume, in denen alle Menschen ohne Angst mitreden können“, sagt Anna-Lena von Hodenberg. Zunehmende und organisierte Gewalt im Netz beeinflusse, ob und wie sich Menschen überhaupt noch äußern und verhindere Teilhabe. Trotzdem sei sie zuversichtlich: „Wir sind schon so weit. Ich weiß, dass wir das hinkriegen.“

Partnerschaft: Gemeinsam für ein gutes Morgen

Das Gutes Morgen Festival ist eine Kooperation der GLS Bank mit der Stadt Bochum. Grundlage der Zusammenarbeit bildete die Arbeit an einer lebenswerten Zukunft. Die Stadt Bochum engagiert sich sowohl für soziale als auch ökologische Nachhaltigkeit. Beispielhaft dafür stehen unter anderem Projekte zur Entwicklung als „Schwammstadt“. Denn zwischen Starkregen und Hitzewellen werden unsere Städte immer heißer. Umso wichtiger ist es, Regenwasser zu speichern und bei Bedarf wieder abzugeben.

Wie schaffen wir ein gutes Morgen?

Einen Lösungsansatz, um diese und andere Ungerechtigkeit zu verändern, diskutieren die Teilnehmenden eines weiteren Zukunftstalks. Ausgangsfrage: „Wissen vs. Gefühle – was bringt uns ins Handeln?“ Sozialunternehmerin und Aktivistin Lisa Jaspers, ist sich sicher: „Mehr Fakten werden nichts daran ändern, wie wir mit der Welt umgehen.“ Stattdessen gelte es, die Aufmerksamkeit auf die Ebene jenseits des rationalen Arguments lenken. „Wir tun so, als sei etwas nicht da, was uns ständig um die Ohren fliegt.“ Das Unterdrücken von Gefühlen führe zu einem „Dauerzustand von Stress“ und verhindere sichere Räume, in denen wir in „kreative Energie kommen, in einen Zustand von Freude, von Verbundenheit“. Im Kern gehe es um Liebe, sagt Bestsellerautorin Emilia Roig. Damit meine sie nicht nur „Schmetterlinge im Bauch“. „Auch Aktivismus für Umwelt oder marginalisierte Gruppen werden durch Liebe geleitet“, so Roig. Es sei der „liebende Teil“ in uns, der – etwa im Hinblick auf Obdachlosigkeit oder auf durch übermäßigen Konsum verursachtes Artensterben – sage: „So nicht“.

Dazu passt, was Besucher*innen wenige Stunden später im gleichen Saal erleben: Vorne spielt ein DJ, Leinwände zeigen Naturaufnahmen: Frösche, Vögel, Pflanzen in Slow Motion. Alles verschwimmt mit der Musik. Schließlich wechselt DJ Dominik Eulberg in den Erzählmodus. Er ist Biologe und seit mehr als 40 Jahren im Naturschutz aktiv. Dass wir Natur zerstören, das gehe nur, weil wir sie nicht wertschätzen. Eulberg zeigt Bilder, auf denen Insekten mikroskopisch nah erscheinen. Zu sehen sind etwa die schwarz, kupfernen Augen eines Insekts, umrahmt von einer Struktur – präzise, sich wiederholende Muster. „Bevor Sie das nächste Mal ein Insekt erschlagen wollen, denken Sie an diese schönen Augen.“

Nach all diesen ermutigenden Zukunftsmomenten bleibt am Ende für manche vielleicht dennoch die Frage: Warum veranstaltet gerade eine Bank so ein Festival? Robert Habeck hat es in seiner Rede auf den Punkt gebracht: „Wir können das Geld durch Steuerung in die Bereiche lenken, die ein besseres Morgen schaffen.“

Heute für ein gutes Morgen – Aufbruch in eine gemeinsame Zukunft

Mit Aysel Osmanoglu, Vorständin GLS Bank, Jörg Lukat, Oberbürgermeister Stadt Bochum, Fabian Grischkat, Moderator und Journalist, Prof. Dr. Katharina Reuter, Geschäftsführerin Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft BNW e.V., Daniel Schreiber, Schriftsteller und Journalist

Die Zukunftalks: Wege in ein Gutes Morgen

Inspirierende Impulse und intensive Debatten garantieren unsere fünf Zukunftstalks: Hier geht es zu den Mitschnitten.

Wer kein morgen hat, wählt gestern – Über Demokratie in aufgeregten Zeiten

Mit Dr. Robert Habeck, ehemaliger Vizekanzler und Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz


Grüner Kapitalismus – Was eine lebensdienliche Wirtschaft wirklich ausmacht

Mit Ulrike Herrmann, taz-Wirtschaftsredakteurin und Buchautorin, Jean-Philippe Kindler, Comedian, Autor und Podcaster, Philippa Sigl-Glöckner, Ökonomin und Direktorin Dezernat Zukunft

Wissen vs. Gefühle – Was bringt uns ins Handeln

Katharina von Bronswijk, Autorin und Psychologin, Prof. Dr. Philipp Hübl, Philosoph und Publizist, Lisa Jaspers, Autorin und Unternehmerin, Dr. Emilia Roig, Autorin und Politologin

Demokratie braucht Zukunftsmut – Wie wir Teilhabe stärken, Hass begegnen und Demokratie im digitalen Zeitalter neu gestalten

Mit Anna-Lena von Hodenberg, Journalistin, Aktivistin und Sozialunternehmerin, Matze Hielscher, Podcaster, Autor und Medienunternehmer

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