Grafik von 2 Händen, die sich die Hand geben

Was bringt 2026 den Frauen? Zwischen Backlash und Empowerment

2025 hat die Gleichberechtigung zurückgeworfen. Frauen waren längst nicht am Ziel, da rütteln autoritäre Politiker und ihre Anhänger, ein teilweise reaktionärer Zeitgeist und die Wirtschaftskrise an den Errungenschaften der Emanzipation. Wie geht es weiter?

Es fühlt sich manchmal an, als wären in dieser neuen Welt für Gleichberechtigung kein Platz und keine Kraft mehr da. Das neue Jahr geht weiter, wie das alte aufgehört hat.

Eine politische Schockwelle nach der anderen: Kriege, Börsenachterbahn, ein Vor- und Durchmarsch rechter und autoritärer Politiker*innen von der AfD im Bundestag bis zu Donald Trump in den USA. Trump hat einen beispiellosen Rückbau der Demokratie begonnen und einen bullig-sexistischen neuen Stil in Auftreten und Sprache geprägt. Er pfeift auf Regeln und Rücksicht und stellt lautstark die Rechte von Frauen und Minderheiten in Frage. Seine Bewunderer tun es ihm nach – dort wie hier.

Frauen in ganz Deutschland sind am 9. März aufgerufen, gemeinsam zu streiken. Sie legen die Arbeit in Kitas, Schulen und zuhause nieder, lassen die Familienorganisation ruhen, schenken keine Fürsorge, keine sauberen Socken und kein warmes Essen.

Frauentag wird kämpferisch

Deshalb macht es Hoffnung, dass der Frauentag in diesem Jahr besonders kämpferisch sein soll. Frauen in ganz Deutschland sind am 9. März aufgerufen, gemeinsam zu streiken. Sie legen die Arbeit in Kitas, Schulen und zuhause nieder, lassen die Familienorganisation ruhen, schenken keine Fürsorge, keine sauberen Socken und kein warmes Essen. Wir sind gespannt, wie groß der Frauenstreik tatsächlich wird. Es geht vor allem um das Symbol: Ohne Frauen geht in der Wirtschaft nichts. Schon vor über 130 Jahren gab es den ersten Frauenstreik in Österreich, der größte der jüngeren Geschichte fand 1970 in den USA statt.

Für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen und allen Menschen bedeutet das: Vollbremsung kurz vor dem Ziel. Vieles war schon erreicht. Luft nach oben gibt es weiterhin bei Lohn- und Rentengerechtigkeit, der Aufteilung von Sorgearbeit, Repräsentation in Führungspositionen, Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper, Abbau von Geschlechterklischees, um nur ein paar zu nennen.

2026 bringt ein paar Verbesserungen

2026 bringt zumindest in Deutschland und Europa ein paar Verbesserungen für Frauen – die sich zum Teil finanziell niederschlagen.

Erstens: Zum 1. Januar ist der Mindestlohn auf 13,90 Euro gestiegen. Das kommt mehr Frauen als Männern zugute, allerdings deshalb, weil leider mehr Frauen in diesen minimal bezahlten Stellen arbeiten. Trotzdem: Ein höherer Mindestlohn könnte den Gender Pay Gap etwas ausgleichen.

Zweitens: Grundschulkinder erhalten ab 2026 einen Anspruch auf Ganztagsbetreuung. Auch das kommt – leider wegen des Gender Care Gap – vielen Frauen zugute. Während die Kitabetreuung ausgebaut wurde, erleben viele Eltern bei der Einschulung einen Schock: Ohne Anschlussbetreuung steht das Kind am späten Vormittag schon wieder vor der Tür oder muss abgeholt werden. Der neue Rechtsanspruch ist eine Verbesserung für die Vereinbarkeit von Familie und Berufstätigkeit.

Drittens: Die EU geht (noch) voran in Richtung Gleichberechtigung: Sie startet ihre neue Strategie zur Gleichstellung der Geschlechter. Bis 2030 sollen zum Beispiel Arbeitswelt und Gesundheitssektor frauenfreundlicher werden. Deutschland muss bis Juni die EU-Entgelttransparenz-Richtlinie umsetzen. Damit erhalten Frauen weitere Auskunftsrechte zum Gehalt ihrer männlichen Kollegen.

Illustrationen: Liliane Henrike Adamek, GLS Bank

Finanzielle Unabhängigkeit ist Schlüssel für selbstbestimmtes Leben

Die GLS Bank versteht sich als Stimme für Vielfalt und Gleichberechtigung – nicht erst jetzt, aber jetzt erst recht. Finanzielle Unabhängigkeit ist mehr denn je ein Schlüssel für ein selbstbestimmtes Leben. Sie fängt an beim eigenen Konto und Einblick in das gemeinsam genutzte Einkommen. Denn Gewalt kann auch subtil als finanzielle Gewalt ausgeübt werden. Mit einem männlichen Partner in der Versorgerrolle und bei dessen alleiniger Kontrolle über die gemeinsamen Finanzen geraten manche Frauen in finanzielle Abhängigkeit. Finanzielle Gewalt war Ende 2025 ein Aspekt beim Orange Day, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen. Es ist notwendig, da weiter hinzuschauen.

Wir als GLS Bank versuchen den Zugang zu Finanzwissen zu verbessern. Wir möchten Chancen für Netzwerke eröffnen und ein Sprachrohr für weibliche Lebensrealitäten bieten.

Das neue Jahr hält Einiges bereit. Etwa ab 25. März unsere Veranstaltungsreihe „Finanzkompetenz für Frauen“. Die nächsten Termine findest Du online und wenn Du den Newsletter Frauen und Finanzen abonnierst.

Schauen wir dem Jahr 2026 mutig entgegen!

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