GLS Bank Wirtschaftsteil 270 Arbeit

Der Wirtschaftsteil :: Nr. 270 – Alu Kitzerow über Arbeit

GLS Bank / Wirtschaftsteil Alu Kitzerow über ArbeitAlu Kitzerow ist Dipl. Kulturarbeiterin und Studentin der Zukunftsforschung und schreibt heute über Arbeit. Gemeinsam mit ihrem Mann bloggt sie über ihre drei Kinder, Gesellschaft und Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei grossekoepfe.de. Sie ist zudem die Veranstalterin der Blogfamilia, der größten Familienblogger-Konferenz in Deutschland, die jährlich in Berlin stattfindet. Sie hat für uns einen Wirtschaftsteil über Arbeit zusammengestellt.

Das Wissenschaftsjahr 2018 zum Thema Arbeitswelten der Zukunft ist schon in vollem Gange, aber in den gängigen sozialen Netzwerken noch wenig vertreten. Dabei sind die Fragen, wie wir zukünftig arbeiten und somit auch leben werden, relevant für alle Generationen: „Wir sollten uns von Robotern und Algorithmen nicht zu viel gefallen lassen. Wir sind diejenigen, die unsere Arbeitswelten der Zukunft gestalten und sollten dies aktiv tun“, sagt Prof. Dr. Wolf-Dieter Lukas, Leiter der Abteilung „Schlüsseltechnologien – Forschung für Innovationen“.

Damit stellt er auch eines der großen Themen der Arbeitswelten der Zukunft vor: Die Angst vor der scheinbaren Übernahme der Maschinen. Auf der Webseite des Wissenschaftsjahres 2018 kann man sich einige spannenden Standorte anschauen und sich auch selbst bei Veranstaltungen anmelden, etwa beim Equal-Care-Day: „Fürsorgearbeit ist ungleich verteilt und hat in unserer Gesellschaft einen geringen Stellenwert“.

Warum eigentlich alles plötzlich Arbeit sein muss, erzählt der Philosoph Konrad Paul Liessmann: „Dabei gibt es auch ehrenamtliche Arbeit und Sozialarbeit. Oft sprechen wir auch von „Trauer-Arbeit“ und „Beziehungs-Arbeit“. Selbst im Schlaf, wenn wir nicht arbeiten, leisten wir „Traum-Arbeit“. Abwesenheit von Arbeit scheint kaum vorstellbar.“

Und er stellt damit eine wichtige Frage, die ich für mich so übersetzt habe: Wo bleibt dann eigentlich die spaßige Familienzeit während der ganzen Beziehungs-, Sozial- und Familienarbeit? Der Blog „Heute ist Musik“ hat dazu eine neue Reihe und startet mit Tine und Jens, einem Paar, bei denen beide Eltern die Arbeitszeit reduziert haben, um mehr Qualitätszeit mit dem Nachwuchs zu verbringen: „Wir waren beide völlig überlastet von den Anforderungen des Arbeitsalltags, der Organisation von Kinderbetreuung, Haushalt und den langen Fahrzeiten zur Arbeit. Besonders weil Jens auch an Wochenenden Schichtarbeit hat. Hatte er Spätschicht, dann habe ich es immer nur ganz knapp vor der Schließzeit zu Kita oder Hort geschafft.“

Spannend zum Thema Wertigkeit von Belohnung für Arbeit ist übrigens auch den Artikel zum Ferienjob bei das Nuf: „Darüber hinaus haben mich die Jobs für die Schule motiviert. Viele der Leute, mit denen ich gearbeitet habe, haben diese Arbeiten als Festanstellung gemacht. Tagein, tagaus. Mir wurde ein guter Schulabschluss immer wichtiger. Um jeden Preis wollte ich nach dem Abitur die freie Auswahl, kein NC sollte mich an einem Studium hindern.“

Ich werde den Text meinen Kindern zum Lesen geben, wenn sie alt genug sind um sich ihre erste Jeans zu wünschen.

Unsere Kinder fragen uns derweil auch immer häufiger, warum wir beide denn überhaupt arbeiten und ob uns das Freude macht. Slate hat diese Frage dem kleinen Hugo gestellt und Antworten bekommen die ich sehr erschreckend reflektiert fand: „When he’s working, it doesn’t really seem like he’s working. He very clearly enjoys it. I think for him it doesn’t feel like work. Like, the fact that even when he doesn’t need to be working, sometimes he does. ’Cause he really cares about what he does. I really respect that.“

Zum Schluss noch ein Sammelaufruf zur Entbürokratisierung der Arbeitswelt. Der Stratege Gary Hamel benennt Gründe, warum man auch im Büro wütend werden darf und fordert, dass es im Wissenschaftsjahr Arbeitswelten der Zukunft auch immer um ganzheitliche Gestaltung eines Unternehmens gehen muss: „Statt um Standardisierung und feste Arbeitsroutinen muss es in Zukunft um anderes gehen: um Experimentierfreude, Offenheit, Gemeinschaft und mehr Marktdenken“

Na dann, arbeiten wir mit Zukunft.

Alu.

Die ElternbloggerInnenkonferenz Blogfamilia findet am 5. Mai 2018 in Berlin statt, um die Vernetzung, Professionalisierung und Sichtbarmachung von FamilienbloggerInnen zu unterstützen. Infos unter: http://blogfamilia.de/

Weitere spannende Artikel aus der Serie Der Wirtschaftsteil.

Photo by Christopher Burns on Unsplash

  1. Ich fände es sehr schön, wenn englische Sätze übersetzt werden – zumindest kurz zusammen gefasst.

    • Hier eine Übersetzung: „Wenn er arbeitet, scheint es nicht wirklich so zu sein, dass er arbeitet. Er genießt es sehr deutlich. Ich denke, für ihn fühlt es sich nicht nach Arbeit an. Zum Beispiel, wenn er nicht mehr arbeiten muss.“

      Gruß Rouven

    • Danke Rouven! :-D

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