10 Fragen an Gerhard Schick

10 Fragen an Gerhard Schick

Gerhard Schick war von 2005 bis 2018 Mitglied des Deutschen Bundestages. Er ist Gründer und Vorstand des Vereins Bürgerbewegung Finanzwende, der sich für eine nachhaltige Finanzwirtschaft einsetzt.

Was ist die Rolle der Zivilgesellschaft im Finanzsystem?

Es braucht ein viel stärkeres Gegengewicht zur Macht der Finanzlobby, damit die Finanzwelt den Menschen dient und nicht umgekehrt. Genau dieses Gegengewicht versuchen wir mit der Bürgerbewegung Finanzwende aufzubauen.

Ist das Thema nicht zu kompliziert für eine Bürgerbewegung?

Finanzprodukte, Finanzskandale usw. sind im Detail oft komplex. Deswegen braucht diese Bürgerbewegung Expertinnen und Experten. Aber das gesellschaftliche Gegengewicht muss von den vielen Menschen kommen, die spüren, dass es nicht richtig sein kann, dass Pflegeheime und Arztpraxen zu Renditemaschinen für Investoren werden. Oder von den vielen, die Opfer von Finanzbetrug oder Überschuldung wurden. Dieses Finanzsystem macht ja fast alle zu Verlierern. Die Zeit ist reif, dass wir da gemeinsam gegensteuern.

Macht es Ihnen Spaß, mit Geld umzugehen?

Finanzkriminelle, Spekulanten und die Politik, die sie deckt, in Bedrängnis zu bringen – das reizt mich. Geldgeschäfte selbst mag ich nicht.

Erleben Sie Geld als Mangel oder als Fülle?

Privat bin ich in der privilegierten Lage, keinen Mangel an Geld zu haben. Bei Finanzwende empfinde ich die vielen kleinen und großen Spenden und Förderbeiträge, die die Arbeit erst möglich machen, als Fülle: als gelebte Solidarität und Gemeinschaft.

Hat Ihnen Geld schon mal Angst gemacht?

Die Instabilität unseres Finanzsystems macht mir Angst. Während der Finanzkrise wurde ja spürbar: Wenn das jetzt richtig zusammenbricht, dann wird es abgehen. Und diese Gefahr ist nicht gebannt.

Ist Ihnen Bargeld wichtig?

Ich zahle ab und an gerne bar. Und finde es wichtig für eine freiheitliche Gesellschaft, dass es diese Möglichkeit gibt. Aber das kann kein Argument dafür sein, dass wir Autokraten, Oligarchen und Mafiosi erlauben, Milliarden zu verstecken mit Barkäufen und intransparenten Firmengeflechten.

Sollten wir die Regeln von Geld ändern?

Ja, dringend. Wir müssen Geld stärker in den Dienst sozialer oder nachhaltiger Zwecke lenken. Heute ist es zu sehr Selbstzweck und Machtinstrument.

Kann eine Gesellschaft ohne Geld funktionieren?

Eine moderne, arbeitsteilige Gesellschaft nicht.

An welchem Punkt in Ihrem Leben hat sich Ihre Einstellung zu Geld schon einmal verändert?

Es gibt nicht den einen Punkt. Aber wo ich am meisten dazugelernt habe, ist, wie groß die Bedeutung der kriminellen Geschäfte in unserem Finanzsystem ist.

Welche Geldfragen bleiben für Sie offen?

Oh, viele. Vor allem, wie wir es schaffen, die enorme Konzentration von Geldvermögen (und damit Macht) ohne Krieg und Gewalt zu korrigieren.

Gerhard Schick war von 2005 bis 2018 Mitglied des Deutschen Bundestages. Er ist Gründer und Vorstand des Vereins Bürgerbewegung Finanzwende, der sich für eine nachhaltige Finanzwirtschaft einsetzt.

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