Schweizer Volksabstimmung – Vollgeld!

Ein Kommentar anlässlich der Schweizer Volksabstimmung vollgeld-initiative.info von Falk Zientz.

Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen, dass Papiergeld oder in Rechenzentren gebuchtes Geld tatsächlich einen Wert hat, sogar ohne jede Deckung durch Gold oder ähnliches. Dieses Gefühl kennen sicherlich alle, die mit einem unbefangenen Blick auf unser Geldsystem schauen. Was ist eigentlich der Wert hinter dem Geld? Wer profitiert davon, wenn eine Bank durch die Auszahlung eines Kredites Geld schöpft? Kann ich dem bestehenden System vertrauen, auf dem unser Geld basiert? Bricht nicht früher oder später jede Währung einmal zusammen? Mit solchen Fragen kommt schnell der Wunsch nach einer Währung auf, die wirklich etwas wert ist: Goldmünzen oder von der Zentralbank garantiertes Geld.

Diese Überlegungen sind nicht nur für Theoretiker und Aktivisten relevant, sondern betreffen letztlich alle Menschen existenziell: Es gibt viel zu viel Geld auf der Welt und das sorgt für ernsthafte Probleme. Denn wer überschüssiges Geld hat, sucht in der Regel nach Investitionsmöglichkeiten, seien es Immobilien, Kunst, Rohstoffe, oder schwer verständliche Finanzprodukte. Damit verursacht die globale Überliquidität Vermögensinflation, Niedrigzinsen und instabile Finanzmärkte.

Nach der letzten Finanzkrise vor 10 Jahren wurde dies zwar einige Zeit lang diskutiert, aber mittlerweile wächst das Geldvolumen weiter ungebremst, und die nächsten Krisen sind absehbar. Leidtragende werden vielleicht auch wieder einige Banker und Großinvestoren sein, vor allen Dingen aber viele Menschen, die ihre Häuser und ihre Ersparnisse verlieren und die unter steigenden Nahrungsmittelpreisen und gekürzten staatlichen Leistungen leiden. Was also tun?

Auf jeden Fall sollten Investmentvehikel verboten werden, die nur dazu dienen, mit Geld mit Geld zu verdienen. Dazu gehört der automatisierte Hochfrequenzhandel, der mittlerweile einen großen Teil der Börsenumsätze ausmacht aber keinen realwirtschaftlichen Nutzen hat und für Instabilität sorgt. Genauso gehören rein finanzgetriebene Rohstoff-Spekulationen verboten. Grundsätzlich sind diese Risiken solcher Vehikel bekannt. Was fehlt ist das entschiedene politische Handeln. Im Gegenteil: Der aktuelle US-Finanzminister ist gleichzeitig Banken-Lobbyist und setzt alles daran, die vorhandene Regulatorik weitgehend abzubauen.

Ein weiterer Ansatz ist, die Geldschöpfung einzuschränken. Einige Banken wie die GLS Bank vergeben zwar ihre Kredite ausschließlich in Höhe ihrer Kundeneinlagen. Auch ist es keineswegs so, dass die Geldschöpfung einer Bank wie eine Notenpresse funktioniert, mit der sie beliebig ihre Gewinne erhöhen kann. Denn in Banken wird zwar durch die Kreditvergaben Geld geschöpft aber gleichzeitig durch die Kredittilgungen Geld vernichtet. Aber trotzdem halten Banken gesellschaftlich eine zentrale Machposition inne und nutzen diese in der Regel zum Geldverdienen und nicht zum Gemeinwohl. Vollgeld kann an dieser Position rütteln und für einen unbefangenen Blick auf das Geldsystem sorgen.

Insofern Vollgeld durch Zentralbanken umgesetzt werden soll, stellen sich einige wesentliche Fragen:

1. Wie sieht es mit Gewaltenteilung und demokratischer Teilhabe aus? Zentralbanken tun nicht per se das Richtige und Sinnvolle. In einem pluralen System können Fehler abgefedert werden und zur Lernkurve beitragen. In einem zentralen System sollte es möglichst keinen Fehler geben. Wie kann das konkret aussehen? Ist das überhaupt realistisch?

2. Welche weiteren Maßnahmen sind notwendig, um zu einem stabilen Finanzsystem zu kommen? Sicherlich ist es gut, konkret an einer Stelle anzufangen, aber bei der Kreativität der Finanzjoungleure ist absehbar, dass sie sich neue Spielfelder aufbauen werden, wenn ihnen die Zusammenarbeit mit den Zentralbanken keinen Spaß mehr macht. Was brauchen wir entsprechend zusätzlich zum Vollgeld?

3. Hängt der Wert des Geldes letztlich nicht maßgeblich vom Vertrauen und der Wertschöpfung innerhalb einer Gesellschaft ab? Wird das Geld nicht von denjenigen geschöpft, die produktiv tätig sind, egal ob dies buchhalterisch eine Zentralbank oder eine lokale Bank festhält? Kann eine Wertgarantie des Geldes überhaupt gelingen, auch wenn der Wunsch verständlich ist?

Darüber diskutieren wir gerne mit Euch

Videos und Links zum Thema:

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Mehr Informationen

Geldgipfel 2016: Vollgeld. Warum dieses Modell derzeit den Diskurs bestimmt
Deutschlandfunk – Von festen Werten und liquiden Mitteln
Dossier der Alternativen Schweizer Bank
Wir machen das Geld – Gastbeitrag vom Wirtschaftsmagazin enorm

Foto: (CC BY 2.0) von vollgeld-initiative.info

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Eine Antwort zu „Schweizer Volksabstimmung – Vollgeld!“

  1. Avatar von Hans-Florian Hoyer
    Hans-Florian Hoyer

    |

    Das Gefühl, es ginge nicht mit rechten Dingen zu, liegt beim Thema „Geld“ vorrangig an den falschen Bildern, die wir verwenden. Diese stammen aus der Münz-Geld-Wirtschaft und sind für die Buch-Geld-Wirtschaft nicht nur ungeeignet, sondern sogar irreführend.
    Meine „Einlage“ bei einer Bank ist nichts, was mir gehört und irgendwo in der Bank liegt. Es ist ein Kredit an die Bank. Die Bank kann mit meinem eingezahlten Geld wirtschaften, wie sie es für angemessen hält. Bei der GLS gibt es den Verwendungswunsch. Der bedeutet aber nicht, dass mein Kontosaldo weitergegeben wird, sondern dass die GLS für Projekte in dem Bereich Zahlungsmittel bereitstellt. Die Sicherheit für den Kredit mir gegenüber – meinen Kontonstand – besteht darin, dass ich glaube, die Bank ist solide unterwegs. Ich glaube auch, dass sie ihre Liquidität immer gewährleistet und dass sie verspricht, dass ich als Inhaber des laufenden Kontos den Kredit jederzeit ganz oder teilweise kündigen kann, indem ich am Bankautomaten Bargeld ziehe. Sie verspricht auch, nach meinen Anweisungen Teile des Kredits, den ich ihr gewährt habe, im Zahlungsverkehr so auf eine andere Person und deren Bank umzuschreiben, dass deren Forderung an mich damit beglichen ist. Es werden keine Werte getauscht, keine Münzen oder Scheine bewegt, es werden Forderungen verrechnet, Kontenstände in Büchern umgeschrieben. Die historischen Clearinghäuser und die modernen Infrastrukturen des Real-Time-Gross-Settlement sind die Indikatoren der neuen Verkehrsgewohnheiten.
    Diese Art des Wirtschaftens wird Kreditwirtschaft genannt und entwickelt sich seit knapp 200 Jahren. Sie ist die nächste Entwicklungsstufe nach der Geldwirtschaft, in der Zähl-Geld mit eigenem Warenwert oder einer Deckung durch einen Warenwert in der Wirtschaft verwendet wurde. Das „Geld“ in der Kreditwirtschaft gilt nicht mehr durch eine (längst aufgegebene) Deckung durch in der Vergangenheit gefördertes Gold. Der Kredit wird gegeben auf unternehmerische Fähigkeiten von Personen, die im Sinne des zukünftigen Gemeinwohls unterwegs sind. Leider ist das bei der Mehrzahl der anderen Banken nicht der Fall.
    Eine Geldwende kann nicht alleine durch Ein-führung eines Vollgelds erreicht werden. Sie beginnt mit der Klärung der Begriffe und ei-ner Wende im Wirtschaften.

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