Grand Beauty

Auf die sanfte Tour – Migrant*innen verwöhnen Menschen im ländlichen Raum

Anlässlich einer Crowdfunding-Kampagne, die Frauke Frech, Künstlerische Leiterin des »Grand Beauty Salons«, kürzlich auf Gemeinschaftscrowd.de gestartet hat, blicken wir mit ihr hinter die Kulissen ihres neuen Projekts »Grand Beauty on Tour« .

Wie kam es zur Gründung des »Grand Beauty Salons«?

Der »Grand Beauty Salon« – ein Kunstatelier und Schönheitssalon – entstand, als ich 2014 Gastkünstlerin im Grandhotel Cosmopolis in Augsburg war. Dort treffen sich interessierte Anwohner*innen, Menschen mit Fluchtgeschichte und Reisende, tauschen sich darüber aus wie sie zusammen leben wollen und arbeiten praktisch daran. Ich hegte damals schon länger den Wunsch, stärker mit Körper-zentrierten Schönheitspraktiken wie Haare schneiden und Massagen, mit Ölen und Düften künstlerisch zu arbeiten, weil sie auf so vielfältige Weise Auskunft über Menschen und ihr Selbstverständnis geben. Als ich im Grandhotel eintraf, bemerkte ich schnell wie viele Menschen weltweit Profis in der Schönheitsbranche sind und dass sie ihr Können natürlich auch hier in Deutschland anbieten möchten. Unsere Zusammenarbeit begann und gestaltete sich aufgrund unserer Verschiedenartigkeit gleichermaßen voller Potenzial und Herausforderungen. Wir konnten stets im Kleinen üben, wie gesellschaftliche Konflikte vielleicht auch im Großen handhabbar werden können. Im Schönheitssalon wird die Welt neu verhandelt.

Worum geht es nun bei »Grand Beauty on Tour«?

Bisher arbeitete ich mit einem wechselnden Team von Schönheitsexpert*innen im urbanen, öffentlichen Raum, in Theatern und in Zusammenarbeit mit Kulturinstitutionen wie z. B. dem Goethe-Institut. Die Idee, den »Grand Beauty Salon« in einem Schönheitsmobil auf Tournee durch das Land zu schicken entstand, weil wir mit unserem Ansatz, das innerlich und äußerlich Schöne zu betonen, Menschen relativ barrierefrei erreichen können. Unsere Expert*innen arbeiten professionell zusammen und zeigen, dass sie etwas zu geben haben – während des Kinderschminkens, einer Kopfmassage, Rasur oder Henna-Bemalung. In unserem Atelier für Schönes finden Menschen verschiedener Herkunft den Raum, sich über alles, was ihnen unter den Nägeln brennt auszutauschen. Es geht um das Erkennen des Menschen hinter gängigen Vorurteilen. Mit einer Auffassung des gegenseitigen Respekts und der Neugierde aufeinander möchten wir in Zusammenarbeit mit Partnervereinen vor Ort ab dem kommenden Jahr unseren Salon auf Stadtfesten in kleineren Kommunen öffnen.

Was bewog Dich, diese Unternehmung zu beginnen?

Da ich aus Ostdeutschland stamme und schon in den 90er Jahren mit Rechtsextremismus konfrontiert war, begann ich mich zu fragen, was ich selbst gegen Ausgrenzung und Diskriminierung tun könnte. Schon damals glaubte ich daran, dass es wichtig sei, Menschen und ihre Welt kennenzulernen. Nun scheint es wieder einmal so weit gekommen zu sein, dass die zwischenmenschlichen Gräben immer tiefer werden und immer schwieriger zu überbrücken sind. Was wollen wir also tun, um abzuwenden, dass wir immer tiefer in ein altbekanntes Debakel steuern? Ich glaube an die Kraft des Schönen und ich glaube daran, dass eine einzige Erfahrung das Potenzial hat, die Sicht auf die Welt zu verändern. Sofern die Gräben zwischen uns – gerade zu jenen, die besonders fremd erscheinen – überwunden werden. Wir sollten nicht darauf warten, dass Andere den ersten Schritt wagen, sondern uns selbst ein Herz fassen und einmal mehr „Hallo, wie geht’s Dir?“ fragen.

Wozu soll die Crowdfunding-Kampagne dienen?

In der Kunst ist es gängige Praxis, dass Projekte wie auch dieses durch öffentliche Förderprogramme finanziert werden. Die meisten Programme jedoch schließen die Anschaffung des benötigten Mobils von ihren Richtlinien her aus. Deshalb haben wir beschlossen, uns mit diesem Anliegen an alle zu wenden, die unsere Arbeit schätzen und für wichtig erachten. Unser nächster Schritt ist es, einen gut erhaltenen, gebrauchten Kleinbus anzuschaffen, in dem sechs Personen Platz haben und der mit Hilfe eines Tischlers zum fahrenden Schönheitssalon ausgebaut werden soll. Zwei komfortable Behandlungsplätze samt schöner Spiegel und Schubladen sollen auf der Ladefläche Platz haben. So dass wir unsere Utensilien, Klapp- und Liegestühle, Tische und die Rezeption sicher transportieren und den Salon vor Ort, um den Bus herum, aufbauen können. Wir wollen dazu in der Lage sein, überall dorthin zu reisen, wohin wir eingeladen werden – zunächst im ländlichen Raum Sachsens (2018), danach bundes- und auch EU-weit (ab 2019).

Werde Unterstützer*in dieser Initiative und trage durch deinen finanziellen Beitrag dazu bei, dieses Vorhaben Wirklichkeit werden zu lassen.

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Mehr zum Projekt auf facebook und instagram.

Über die Initiatorin

Grand Beauty Frauke FrechFrauke Frech ist Künstlerin und Aktivistin und erforscht in performativen Situationen, durch grafische Mittel / Text und Installationen gesellschaftliche Zusammenhänge, soziale Grenzen und Übersetzungsprozesse. Sie studierte Performance-Kunst an der Haute Ecole d’art et design Genf, als auch an der Muthesius Kunsthochschule Kiel. Derzeit unterrichtet sie an der Akademie der Bildenden Künste München »Über das transformatorische Potenzial von Kunst« und ist dabei, mit Verbündeten das Interventionsbüro e.V. zu gründen. Ihre Arbeit wurde u.a. im Goethe-Institut Prag und Bangalore, in den Sophiensaelen Berlin, Jobcenter Augsburg, Münchner Kammerspielen präsentiert und von den Kunst- und Kulturstiftungen der Länder NRW, Bayern und Sachsen, Dr. Hauschka, der GLS Zukunftsstiftung Bildung & Soziales Leben und von Privatpersonen gefördert. Sie wurde 1982 in Leipzig geboren, lebt ebendort und verwirklicht ihre Arbeiten weltweit.

Mehr zu Frauke Frech www.fraukefrech.de

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