Ein Maßanzug aus Lehm

Artis

Das Büro Ziegert, Roswag, Seiler hat sich einiges vorgenommen. Zusammen wollen hier zwei Ingenieure und ein Architekt als Gründer mit Bauwerken dazu beitragen, dass Bauen nachhaltiger wird. Dabei haben sie ein ganz besonderes Konzept. „Wir verarbeiten Naturstoffe wie Lehm oder Holz im Dialog mit den Menschen, die das Gebäude dann auch benutzen sollen“, erklärt der Architekt Eike Roswag. Ein Beispiel für ein solches Pionierprojekt ist die Werkstatt Artis mitten in Berlin. Dank der nachhaltigen Bauweise benötigt das Gebäude nur 13% des Primärenergiebedarfs einer vergleichbaren Immobilie. Die Schreiner, die die Werkstatt nun nutzen waren aktiv an der Entwicklung beteiligt. Eine solche lokale Verankerung ist den Berlinern wichtig. „Wir holen damit auch ein Stück weit die Produktion zurück in die Innenstadt – weil sie sauber genug dafür geworden ist“, kommentiert Roswag.

SchuleDas Anpassen an lokale Gegebenheiten sind die Freunde gewöhnt. Eike Roswag und Christof Ziegert haben sich beim Projekt „Studenten bauen in Mexiko“ der TU Berlin kennengelernt. Diese Wurzeln der Entwicklungszusammenarbeit prägen bis heute. „Wir haben ja schon mehrere Schulen zum Beispiel in Pakistan oder Mosambik gebaut. Das ist kein reines Ehrenamt, aber man einigt sich da auf Beträge, die allein unser Büro in Berlin nicht finanzieren könnten“, erzählt Roswag. Dabei ist jede Schule, jedes Projekt eine völlig neue Aufgabe, die individuelle Herangehensweise erfordert: „Uns ist wichtig, dass das Gebäude, das wir dort errichten seine Wurzeln in der Vergangenheit und vor Ort hat.“ Das zeigt die Schule Tipu Sultan Merkez in Pakistan: Sie wurde mit den lokal üblichen Baumaterialien und einem Flachdach errichtet. Doch die Verglasung der Fenster sorgt dafür, dass die Schule im Sommer kalt und im Winter warm bleibt und steigert so die Energieeffizienz. „Tatsächlich ist es so, dass wir gerade durch den Austausch mit unseren Kunden bei jedem Projekt dazulernen“, erzählt Roswag über den Vorteil der dialogischen Unternehmenskultur. „Unser Ziel ist, dass dadurch jeder sozusagen seinen eigenen Maßanzug bekommt.“

Schule 2Ihr Wissen über den Umgang mit Naturbaumaterialien, allen voran Lehm und Holz, geben die Kollegen auch in Vorträgen und Lehrtätigkeiten weiter, so ist Christof Ziegert Professor für Lehmbau an der Universität Potsdam.
Ihren Anspruch an die Bauprojekte setzen die Unternehmer auch in ihrer Lebensphilosophie um. Und so kann man auf der Homepage auf einmal Begriffe wie „Bescheidenheit“ lesen. „Unsere Gesellschaft ist ja sozusagen fett. Wir suchen aber auch im alltäglichen Leben nach anderen Werten als Konsum. Das fängt bei alltäglichen Sachen an. Warum reicht in Bangladesch ein Messer für die Zubereitung der Mahlzeit – wo noch drei Mal täglich für eine ganze Familie gekocht wird – während wir 25 Elektrogeräte in der Küche stehen haben, aber nur zwei Mal pro Woche kochen“, macht Eike Roswag den Zusammenhang deutlich. „Darum war ich auch froh, die GLS Bank durch einen Vortrag von Thomas Jorberg auf dem 10. Deutschen CSR-Forum  in Ludwigsburg kennengelernt zu haben. Sie passt zu unserem ganzheitlichen Konzept.“ Der Erstkontakt führte zum Bankwechsel für das Unternehmen, das auch schon für eine Zwischenfinanzierung auf die Bank zurückgegriffen hat.

Fotos:

Header: Werkhalle – Betriebsgebäude Artis, Berlin / Foto: Daniela Friebel
Foto 2: Ansicht Ost – Lehmschule Tipu Sultan Merkez / Foto: Roswag Architekten
Foto 3: Standard Schultyp in Nacuta – Habitat Initiative Cabo Delgado / Foto: Paula Holtz

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