Social Bots

Social Bots verstehen, erkennen und hinterfragen

In unserer Reihe zu Medienkompetenz stellen wir euch in mehreren Blogbeiträgen unterschiedliche Social Media- und Internet-Phänomene vor und geben Tipps, wie ihr mit den damit in Zusammenhang stehenden Problematiken umgehen könnt. Dieses Mal geht’s um Social Bots.

Social Bots verstehen

Die Kommunikation im Internet nimmt immer wieder neue Formen an. Vor allem Unternehmen nutzen neue Möglichkeiten und Technologien, um mit ihren Kunden*innen ins Gespräch zu kommen. Eine Variante sind Social Bots, also Roboter, die menschliche Kommunikation in sozialen Netzwerken imitieren. Hierbei sind unterschiedliche Erscheinungsformen möglich, beispielsweise der Social Bot auf Twitter, der auf bestimmte Schlagworte reagiert und zur politschen Meinungsbeeinflussung benutzt wird. Oder der Chatbot, der auf Facebook im Messenger-Marketing Verwendung findet, jedoch eindeutig als solcher gekennzeichnet werden muss. Weitere grundlegende Informationen bekommst du im Beitrag auf studentenagenten.de.

Guter Chatbot, böser Social Bot?

Während der Chatbot, der die Messenger-Kommunikation mit Kunden*innen übernimmt, als eine Form des Social Bots darauf programmiert wird, häufig gestellte Fragen zu beantworten und die Kommunikationspartner*innen mit wichtigen Informationen und News zu versorgen, existiert auch eine perfidere Form des Roboters, die beispielsweise dazu verleiten soll, Fake News zu verbreiten. Social Bots können auch darauf programmiert sein, Daten zu sammeln, um diese für diverse Zwecke zu missbrauchen. Wir haben relevante Indizien gesammelt, die darauf hinweisen, dass man mit einem Social Bot kommuniziert. Hierbei handelt es sich um solche Programme, die nicht eindeutig gekennzeichnet sind.

Social Bots erkennen

Zuerst einmal kannst du dir den Account genauer anschauen. Seit wann existiert er? Falls der Account neu ist, kannst du prüfen, wie er sich bislang verhalten hat. Hat er beispielsweise trotz kurzer Existenz massenhaft viele Follower, handelt es sich sehr wahrscheinlich um ein Bot-Netzwerk. Existiert er schon länger, kann das Kommunikationsmuster (weiter unten) unter die Lupe genommen werden. Zudem sind der Nickname und das Profilbild Indizien dafür, wie echt ein Profil ist: Falls der Nickname aus einer zufälligen Buchstaben- oder Zahlenkombination besteht, ist Vorsicht geboten. Klarnamen geben Sicherheit. Wirkt das Profilbild seriös, kann per Bilder-Rückwärtssuche kontrolliert werden, ob es die Person abbildet, deren Klarname auf dem (Twitter-) Profil präsentiert wird. Angeblich männliche Bots verwenden manchmal Fotos von weiblichen Personen und umgekehrt. Wenn der Account sehr anonym gestaltet ist, ist Vorsicht geboten: Du solltest hinterfragen, warum es kein Profilbild gibt oder der Nickname nichtssagend ist.

Die Kommunikationsstruktur von Social Bots

Nicht nur der Account selbst, sondern auch sein Kommunikationsverhalten liefert wichtige Anhaltspunkte, um einen Social Bot zu identifizieren. Sein Kommunikationsmuster wird dem menschlichen zwar immer besser angepasst (Social Bots können vortäuschen, Tipp-Pausen zu machen; halten Tages- und Schlafzeiten ein oder führen Small Talk), jedoch ist der Inhalt nicht besonders variabel: Wenn ein/e Nutzer*in immer wieder die gleichen Themen behandelt, viele Gespräche gleichzeitig führt, ständig nur retweetet, ohne selbst zu kommentieren oder aber konsequent innerhalb von Sekunden reagiert, ist er/sie sehr wahrscheinlich ein Social Bot. Denn es handelt sich um Systeme, die darauf programmiert sind, auf bestimmte Schlagworte, Themen oder Hashtags anzuspringen oder hierzu Inhalte zu streuen. Auch die sogenannte Orchestrierung (mehrere Bots teilen unkommentiert immer wieder die gleichen Posts) weist darauf hin.

Immer diese eine Leier!

Immergleiche Themen werden durch Bots ziemlich eintönig beantwortet, auch wenn diese generell lernen, auf Reaktionen und Fragen immer authentischer einzugehen und ihr Gegenüber anhand der gesammelten Daten einzuschätzen. Trotzdem: Häufig sind Reaktionen auf Fragen unlogisch, da eine Beantwortung zumeist nur über Schlagworte passiert, die einprogrammiert wurden. Die Technik entwickelt sich jedoch kontinuierlich weiter. Derzeit erkennst du Social Bots jedoch noch an ihrer zumeist auffälligen Sprache, die häufig eine fehlerhafte Grammatik oder Orthographie einschließt. Auch gepostete Kurzlinks sollten immer mit Vorsicht beurteilt und nur geöffnet werden, wenn der Account bekannt ist. Zudem bestehen die Postings von Social Bots vermehrt aus Werbung.

Aktivität und Sichtbarkeit müssen zusammenpassen

Wenn ein/e Nutzer*in wenig aktiv ist, aber trotzdem sehr viele Follower aufweist, muss diese Schräglage hinterfragt werden. Auch hier kann ein Bot-Netzwerk als Followerschaft angenommen werden. Ist er/sie jedoch sehr aktiv, macht ihn/sie das wiederum ebenso verdächtig. Das Projekt Botswatch liefert einen Richtwert: Bei mehr als 50 Tweets am Tag wird die Kommunikation wahrscheinlich durch einen Bot geführt. Jedoch trifft das nicht immer zu; sehr aktive User sind auszuklammern. Auch, ob Aktivität und Sichtbarkeit zusammenpassen, hilft bei der Identifikation von Bots: Bei hoher Aktivität ist eine niedrige Sichtbarkeit, eben weil Social Bots häufig geblockt werden, auffällig. In diesem Zusammenhang können auch die Follower eines Accounts genauer betrachtet werden. Ist ein Großteil ebenso auffällig wie der Account selbst, hältst du einen weiteren Anhaltspunkt in deinen Händen.

Tools, die Social Bots erkennen helfen, fragwürdig

Automatisierte Tools zu entwickeln, die anhand festgelegter Werte (Häufigkeit der Retweets, Follower, etc.) feststellen können, ob es sich bei Accounts um Social Bots handelt, ist bislang nicht ausreichend gelungen. Das Botometer beispielsweise erstellt einen Score, anhand dessen sich ableiten lassen soll, wie wahrscheinlich der geprüfte Account ein Social Bot ist. Neben einem User kann man auch seine Follower und Freunde analysieren lassen. Die Ergebnisse sind jedoch nur als Richtwert für eigene Recherchen zu verstehen. Häufig kommen hierbei unrealistische Werte zustande, laut Grimme sogar zu 50%. Wenn Roboter Roboter bewerten wollen, ist also weiterhin Vorsicht geboten.

Eigenständiges Hinterfragen bleibt zentral

Eine Freundschaftsanfrage von einem Bot anzunehmen, kann schwerwiegende Folgen haben: Er kann Kontakte aus der Freundesliste sammeln, ebenso wie weitere Daten. Deshalb ist hier Obacht geboten. Hilfreich ist generell, immer zu hinterfragen, was ein User in den sozialen Netzen teilt und Informationen nicht einfach hinzunehmen. Das gilt für Social Bots ebenso wie für Fake News, die auch gerne und oft von selbigen verbreitet werden.

Welche Fragen sich hier konkret zu stellen sind, lest ihr im zugehörigen Artikel zu Fake News.

Andere Beiträge der Medienkompetenz-Reihe

 Quellen:

Faktenfinder Tagesschaucorrectiv.orgwissenskurator.de

Foto: Pixabay CC0 – Lizenz

  1. Gruselig.

  2. Pingback: Social Bots: So kommst du ihnen auf die Schliche

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