Mikrofinanz - Indien

Mikrofinanz – Die Arbeit eines Investment Managers

Dicke Regentropfen klatschen auf den Boden. Durchnässt bis auf die Haut steht Utpal  Chakraborty vor der einzigen Straße im Dorf. Sie ist eine matschige Masse geworden. Ein Durchkommen wird erst in ein paar Stunden wieder möglich sein. Utpal ist unterwegs, um fällige Kreditraten bei seinen Mikrofinanz Kreditkunden*innen abzuholen. Als er im Nachbardorf eintrifft, wartet die Gruppe am vereinbarten Platz. Triefende Kleidung, die Füße im Schlamm  eingesunken. Einzig das Bargeld für den Kredit ist sicher und trocken verstaut.

Utpal Chakraborty - Mikrofinanz Manager
Utpal Chakraborty

Respekt und Wertschätzung

Seit er als Kreditberater eines MFI solche Momente erlebt hat, weiß Utpal (38), dass er die richtige Entscheidung getroffen hat. Vor 13 Jahren wechselte er ins Mikrofinanzgeschäft, arbeitete erst bei einem Mikrofinanzinstitut in der Beratung und schließlich in der Entwicklungsfinanzierung. Jetzt ist er Investmentmanager und im Auftrag der Frankfurt School Financial Services GmbH (FSFS) , dem Fondsmanagement unseres Mikrofinanzfonds, verantwortlich für Nepal, Bangladesch, Sri Lanka und Indien.

Mónica Eras (39) ist auf der anderen Seite der Erdkugel unterwegs. Von Ecuador aus betreut sie für die FSFS Lateinamerika. „Viele der Menschen mit einem Mikrokredit haben nichts“, sagt sie. Keine Bildung, keinen Besitz. Doch bekommen sie die Chance, mit einem kleinen Darlehen etwas zu verändern, blühen sie richtig auf. Diese Wirkung ist seit gut 15 Jahren Mónicas Motivation.

Mónica Eras - Mikrofinanz Manager
Mónica Eras

Insgesamt sind für den GLS AI — Mikrofinanzfonds acht Investmentmanager in acht Ländern stationiert: Ecuador, Kenia, Bosnien und Herzegowina, Mazedonien, Armenien, Deutschland, Indien und Indonesien. Im Einsatz sind sie jedoch in deutlich breiter gefassten Regionen. Sie führen die Due-Diligence-Prozesse bei den MFI vor Ort durch.

Investmentanfragen an den Fonds werden nach einer positiven Vorabprüfung durch das Fondsmanagement an die Investment Manager vor Ort weitergeleitet. Gängiger ist jedoch, dass Anfragen direkt an die Investment Manager gestellt werden, bzw. dass Investments von ihnen aktiv initiiert werden. Die Basis jeder Investitionsentscheidung ist die Due Diligence bei den Instituten vor Ort. Das bedeutet, dass die Investment Manager jedes MFI auf Herz und Nieren durchleuchten und prüfen, ob die schriftlichen Angaben der Investmentanfrage den Tatsachen entsprechen.

Einer der wichtigsten Punkte: Überschuldung. Welche Maßnahmen setzt das MFI ein, um diese zu verhindern? „Gibt es eine Kreditobergrenze für die Volumina oder die Anzahl der Kredite, die ein  Kunde aufnehmen kann? Maximal zwei Kredite pro Person sind z. B. ein wichtiges Kriterium.“ Später repräsentieren die Investmentmanager das Fondsmanagement bei den Vertragsverhandlungen. „Wir arbeiten für verschiedene Fonds und fungieren teilweise als eine Art Intermediär“, berichtet Utpal.

Denn so müssen die MFI sich nicht vielen verschiedenen internationalen Investoren stellen, sondern nur einem Ansprechpartner. Das spart wertvolle Zeit und Kosten. „Dabei zehren wir von den persönlichen Beziehungen und regionalen Kenntnissen. Auf dem Papier kann ein Unternehmen top aussehen. Wie das Management wirklich arbeitet und wie es mit der Belegschaft umgeht, das erfahren wir erst im direkten Gespräch mit den Mitarbeitenden.“

Wenn die Prüfung der Investment Manager positiv ausfällt, leiten sie die Unterlagen an den Investitionsausschuss der Frankfurt School Financial Services weiter. Erst wenn dieser sowie die Verwaltungsgesellschaft des Fonds zu einer positiven Investitionsentscheidung gekommen sind, investiert der Fonds in das Institut und ermöglicht ihm so, sein Mikrofinanzgeschäft weiterzuentwickeln.

Mikrofinanz – Herausforderungen

In Indien werden Mikrofinanz Kredite häufig noch bar ausgezahlt. Die Entwertung indischer Banknoten im November 2016 belastete das Geschäft stark, langsam erholt es sich jedoch wieder. Digitale  Lösungen werden forciert, erste Pilotprojekte mit Mobiltelefonen, ähnlich dem afrikanischem System Mpesa, werden derzeit getestet. Noch sind die Transaktionskosten allerdings deutlich zu hoch. „Doch wir finden schon eine Lösung“, meint Utpal.

Eine weitere Herausforderung: Nicht alle Mikrofinanzmärkte sind bereits voll entwickelt.  Besonders in Sri Lanka mangelt es an gesetzlichen Regelungen. Doch hier gibt es viel Bewegung.  Problematisch ist auch, dass die Institute aufgrund historisch gewachsener Verhaltensstrukturen häufig nur kurzfristige Geschäftsmodelle entwickeln. Um Investorengelder zu erhalten, braucht es jedoch einen längeren Planungshorizont.

Die MFI benötigen daher nicht nur finanzielle Mittel, sondern auch wichtiges Know-how in Form von Technical Assistance. Das sind Schulungen, die beispielsweise vermitteln, welche internationalen Standards sich hinter dem Risikomanagement verbergen, wie ein durchdachter Geschäftsplan gestaltet ist oder wie ein funktionierendes Beschwerdemanagement für Kunden*innen aufgebaut wird.

Auch der GLS AI — Mikrofinanzfonds strebt an, derartige Leistungen künftig aktiver anzubieten, um seinem integrativen Ansatz noch besser gerecht werden zu können. Im neuen
Investitionsbericht
stellen wir sein aktuelles Portfolio vor.

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Foto: (CC BY 2.0) von Hand in Hand International / SaraSaBai

  1. Hallo Frau Bolmer,
    vielen Dank für den schönen Artikel. Mikrofinanz wird vielfach nur Richtung Entwicklungs- und Schwellenländern „verortet“. Aber auch in Mitteleuropa gibt aktuell noch gute Möglichkeiten des Einsatzes. Ich habe mit viel Interesse einen Artikel der Europäischen Investitionsbank geteilt, der den Einsatz in realen Fällen in Luxemburg beschreibt. Einfach schöne Geschichten… Mehr: http://wp.me/p8RCFo-A2
    Viele Grüße
    Ralf Breuer

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