Leute

Rückblick: Podiumsdiskussionen zu einem nachhaltigen Finanzmarkt

Unter der Überschrift „Zukunft der Finanzmärkte – Kurzfristiger Profit oder nachhaltige Entwicklung?“ veranstaltete die GLS Bank gemeinsam mit der Studentenorganisation oikos Podiumsdiskussionen in Köln und Hamburg. An zwei Abenden im Dezember luden die Organisatoren in die jeweiligen Universitäten ein. oikos ist eine internationale Studenteninitiative, welche sich für nachhaltiges Wirtschaften und Management engagiert.

Universität Köln

Beide Diskussionsrunden stießen auf großes Interesse und waren sehr gut besucht. In Köln diskutierten Thomas Jorberg (Vorstandssprecher der GLS Bank), Prof. Dr. Thomas Hartmann-Wendels (Seminar für allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Bankbetriebslehre, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Bankwirtschaft und Bankrecht an der Universität Köln), Caspar Dohmen (Buchautor von „Let´s make money“ und Wirtschaftsredakteur der Süddeutschen Zeitung) und Heiner Wiemer (Vorstandsmitglied Oikocredit International).

Nach einer kurzen Einschätzung jedes Referenten über die Ursachen der Finanzmarktkrise entwickelte sich unter der Moderation von oikos International Präsidentin Katharina Beck eine lebhafte Diskussion über die Ursachen und möglichen Folgen. Hierbei wurden die Themenfelder Transparenz von Finanzgeschäften, Verantwortung von Banken, Politik, Medien und Ausbildungsstätten wie Universitäten ebenso angesprochen wie die Macht und das Anspruchsdenken der Konsumenten und Anleger. Einig waren sich die Diskutanten darin, dass jeder einzelne Anleger durch einen kritischen Blick auf die eigene Anlagestrategie Verantwortung übernehmen und damit gesellschaftlich Signale setzen kann.

Universität Hamburg

Die Podiumsdiskussion in Hamburg versuchte, Ökonomie mit Ökologie thematisch zu vereinbaren und die Finanzmärkte der Zukunft ethisch verlässlich, ökologisch kompatibel und marktwirtschaftlich verantwortungsvoll zu definieren und konzipieren. Die Runde bestand aus Andreas Neukirch (Vorstand der GLS Bank), Prof. Dr. Udo Reifner (Direktor des Instituts für Finanzdienstleistungen an der Universität Hamburg), wie bereits in Köln Buchautor und Wirtschaftsjournalist Caspar Dohmen. Dr. Friederich Mielke, freier Autor und Journalist moderierte den Abend.

Caspar Dohmen sprach über die internationalen Zusammenhänge der Finanzkapitalströme. Er kritisierte die Steuer- und Bankenoasen, forderte mehr politisches Engagement für staatliche Kontrollorgane und definierte das Primat der Politik vor der Wirtschaft. Andreas Neukirch überzeugte mit der These, dass Wirtschaftlichkeit und Ökologie durchaus kompatibel seien. Er stellte acht Maßnahmen zur Erreichung dieses Zieles vor. Prof. Dr. Udo Reifner kritisierte die „Wucher- und Betrugsstrategien“ der Banken. Das Bankgeschäft sei ausschließlich Kreditgeschäft, wobei Zinsen und Konditionen den Gesetzen der Verkehrssitte und nicht des Wuchers unterliegen sollten. Mangelndes Vertrauen in das Bankensystem schade der Wirtschaft. Dr. Friederich Mielke wies darauf hin, dass nicht alle Banken „Betrüger“ seien – dass z. B. Barack Obama die Banken brauche, um sein Investitionsprogramm für die alternative Energie realisieren zu können. „80 Prozent der Bankgeschäfte“ seien trotz allem fair, räumte Prof. Reifner ein. Die schwarzen Schafe hätten jedoch eine verheerende Wirkung.

Während der Diskussion entstand der Konsens, dass der Weg an einer nachhaltigen Entwicklung nicht vorbei gehen könne. Fragen zur Finanz- und Wirtschaftskrise verdeutlichten die aktuelle Unsicherheit der Bürger angesichts der fragwürdigen Bankgeschäfte. Der Moderator schloss mit dem Hinweis, dass eine Krise auch die Chance für einen Neubeginn und einen Strukturwandel böte.

Abgerundet wurden beide Abende mit Bio-Weihnachtsgebäck und Bio-Wein. Die jeweils 100-150 Zuhörer der Podiumsdiskussion nahmen dieses Angebot gern an.

Wir bedanken uns bei den Organisatoren von oikos Köln e.V. und oikos Hamburg e.V. für die gute Zusammenarbeit und freuen uns auf weitere gemeinsame Vortragsabende!

  1. Übernommener Kommentar*

    Neues Finanz- und Wirtschaftssystem notwendig

    Solange man Korrekturen immer noch auf Basis dieses zins- und damit schuldenbezogenen Geldsystems vornimmt werden wir der Wachstumsspirale und damit dem zerstörerischen Kreislauf nicht entkommen. Jetzt bietet sich die Chance eine Wirtschaftssystem zu installieren, das Wohlstand für alle Menschen im Einklang mit der Natur schafft. Mehr dazu auf http://www.joytopia.net

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.