GLS Trainees vor Ort in Stuttgart – oder warum Kartoffeln glücklich machen

Glückskartoffeln – was dahinter steckt, erfuhren unsere Trainees auf einer zweitägigen Exkursion in den Süden der Bundesrepublik. Mitarbeiter und Auszubildende der GLS Bank unternehmen regelmäßig Ausflüge, auf denen sie GLS Projekte vor Ort besuchen und selbst erleben, welche tollen Menschen hinter den Projekten stehen. Unsere Trainees reisten nun ins badische Land, um Projekte rund um Stuttgart zu erkunden. Im GLS Blog halten sie das Erlebte fest:

Unsere Reise führte uns dabei vom Naturkosmektikhersteller Speick, über die Camphill-Dorfgemeinschaft Tennental bei Herrenberg bis hin zum Bodensee, wo wir den Demeterbertieb Helchenhof und den Großhandel für Naturkost BODAN besuchten.

Überwältigende Eindrücke auf vier Stationen

Die erste Station der Reise war der Kosmetikhersteller Speick. Dort nahmen wir unweigerlich den einzigartigen Geruch der gleichnamigen Heilpflanze wahr. Wikhart Teuffel, Geschäftsführer und Enkel des Gründers, lud uns zu einer ausgiebigen Führung durch die Produktionsstätte ein. Ausgestattet mit Hygiene-Hauben und Schutzmantel lauschten wir seinen Erzählungen und gewannen einen interessanten Einblick in die Produktion von Seifen und Naturkosmetik. Der Wirkstoff der Heilpflanze Speick findet sich in allen Kosmetikprodukten. Die Pflanze selbst stammt aus kontrolliert biologischer Wildsammlung und wird von Kärntner Almbauern-Familien auf den Nockbergen auf ca. 1800 Höhenmeter geerntet. Im Jahr 1928, beschäftig das Unternehmen heute ca. 50 Mitarbeiter.

Unsere nächste Station führte uns zur Dorfgemeinschaft Tennental bei Herrenberg, in der Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam leben und arbeiten. Bei unserem Rundgang lernten wir das Leben in der Camphill-Gemeinschaft kennen. Es ist individuell in sozialtherapeutischen Großfamilien organisiert.

Auch das gemeinschaftliche Arbeiten spielt in der Dorfgemeinschaft mit ihren vielzähligen Werkstätten eine wichtige Rolle. Im Rahmen unseres Rundgangs besuchten wir sowohl die Einmachküche als auch die Metallwerkstatt und den demeter Hofbetrieb. Das Haus-Hängebauchschwein Linda begrüßte uns auf ihre ganz eigene Art. Uns beeindruckte besonders, wie sich die Menschen mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten in die tägliche Arbeit in den Werkstätten integrieren.

Am zweiten Tag unserer Exkursion machten wir uns zum Bodensee auf: Wir besuchten den Helchenhof bei Überlingen. Hier arbeitet und lebt eine junge, vielfältige Hofgemeinschaft, die Bewohner stammen aus drei verschiedenen Nationen. Neben dem Gemüseanbau, bei dem im Herbst vor allem Kürbisse, Sellerie und Lauch die Erntezeit prägen, warfen wir einen Blick in den Stall der Milchkühe. Zusätzlich zum landwirtschaftlichen Betrieb entdeckten wir Ferienwohnungen auf dem Hof, in denen regelmäßig Schulklassen und Privatpersonen zu Gast sind. Bei Kaminfeuer und Apfelsaft lernten wir im Anschluss mehr über den Alltag der jungen Hofgemeinschaft und staunten über die Bandbreite der Herausforderungen, die von landwirtschaftlichen über betriebswirtschaftliche bis hin zu zwischenmenschlichen Fragestellungen reicht.

Glückliche Kartoffeln

Einen weiteren Schritt auf der Distributionskette machten wir mit unserem anschließenden Besuch beim Großhandel für Naturkost BODAN. Der Geschäftsführer Sascha Damaschun unternahm mit uns einen ausführlichen Rundgang durch die Lagerhallen. Im Anschluss sprachen wir mit ihm über den Gemeinwohl-Bericht von BODAN. Dann schließlich verriet er uns, warum Kartoffeln glücklich machen: Hintergrund der Glückskartoffeln ist die Idee, einen anderen Umgang mit Vertriebspartnern im Naturkosthandel zu etablieren, der sich deutlich vom konventionellen Handel unterscheidet. Es ist eine Reaktion auf die schwachen Kartoffelernten am Bodensee. Statt ausschließlich norm-konforme Kartoffeln anzubieten, finden sich in seinem Sortiment von der Norm abweichende, zu kleine Kartoffeln. Garniert mit Hintergrundinformationen und Rezepttipps werden zu klein ausgefallene Kartoffeln als Glückskartoffeln angeboten. Ziel ist es, das Verständnis und den Absatz von kleinen Kartoffeln bei Bioläden und auch Endkunden zu steigern und somit die Ertragsaussichten für Biolandwirte in diesem Jahr zu verbessern. Eine tolle Idee, wie wir finden, und ein gelungener Abschluss unserer Exkursion!

Rebecca Weber

  1. Dagmar Ziegler

    Schöner Bericht. Aber „rund um Stuttgart“ ist nicht Baden, sondern Württemberg. Bei Überlingen sieht es dann wieder anders aus, das gehört zu Baden. Hier sieht man die Grenzen: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/37/Map_of_Baden_%281806-1945%29.png
    Grüße aus dem Süden!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.