„Flüchtlinge Willkommen“ – eine Initiative für einen warmen Empfang

Website Flüchtlinge willkommenWie könnte eine „Willkommenskultur“ für Flüchtlinge in Deutschland aussehen? Die Berliner Initiative „Flüchtlinge Willkommen“ setzt sich ganz praktisch mit dieser Frage auseinander, indem sie versucht, ihre Vorstellungen einer „Willkommenskultur“ in die Tat umzusetzten. Anstatt flüchtende Menschen in Massenunterkünften unterzubringen, vermittelt sie Flüchtlinge über eine Internetplattform in Studenten-WGs und andere private Wohnformen. „Flüchtlinge willkommen“ ist ein Projekt des GLS Kunden Mensch Mensch Mensch eV i.Gr.

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Erste WG mit Bakary, Jonas und Mareike.

Zunächst beschäftigten sich die beiden Initiatoren des Projekts, Mareike Geiling und Jonas Kakoschke, mit der Flüchtlingssituation, ohne noch selbst aktiv zu werden. Das änderte sich als Mareike für einige Monate nach Kairo ging, ihr Zimmer dadurch frei wurde und die Frage aufkam, wer zur Zwischenmiete einziehen könnte. Anstatt die freigewordene Bleibe auf die übliche Plattform für Wohngemeinschaften zu stellen, hatten Mareike und Jonas die Idee, zumindest im Kleinen etwas an der aktuellen Flüchtlingssituation in Deutschland zu ändern. Sie entschieden sich dafür, das Zimmer einem Flüchtling zur Verfügung zu stellen. Mareike und Jonas schrieben Bekannte und Freunde an und fragten nach einer Mikrospende für die Finanzierung des Zimmers. „Wir waren total überrascht, wie gut das lief“, erinnert sich Mareike an diese erste Aktion. Schon nach wenigen Tagen war das Geld für die Monatsmiete zusammen – und die Idee für „Flüchtlinge Willkommen“ geboren.

Im November 2014 gründeten Mareike, Jonas und Golde Ebding, die durch ihre Arbeit als Sozialarbeiterin viele Kontakte zu Flüchtlingen hat und so bei der Vermittlung eine große Hilfe ist, dann die offizielle Plattform „Flüchtlinge Willkommen“. Dort können sich Flüchtlinge registrieren und WGs, Paare und Lebensgemeinschaften freie Zimmer anmelden, die dann an Flüchtlinge vermittelt werden. Die ersten 200 Anmeldungen von WGs waren schnell zusammen.

„Wir wurden überrannt mit Anfragen, auch international, das hatten wir so nicht erwartet“, erinnert sich Mareike. Die Nachfragen kamen u.a. aus Spanien, Portugal, Italien, USA und Griechenland. Jetzt arbeitet das Team von „Flüchtlinge Willkommen“ daran, das Projekt auch in diesen Ländern umzusetzen.

Den Erfolg können Mareike, Jonas und Golde selbst noch nicht ganz fassen: „Dass das Projekt jetzt tatsächlich so gut funktioniert, ist überwältigend, wir freuen uns noch immer total über jede neue erfolgreiche Vermittlung und die positive Resonanz bestärkt uns darin weiterzumachen!“.

Seit Ende Januar leben zum Beispiel Johann und Azad gemeinsam in einer WG und „wie Azad immer wieder von seiner Heimat berichtet und mir in einfachen Worten die Gesamtzusammenhänge sehr spannend erklären kann, da konnte ich von ihm schon einiges lernen und höre ihm immer wieder gerne zu“, erzählt Johann.

In Deutschland registrierten sich bis heute (Mitte Mai 2015) 780 geflüchtete Menschen, 910 WGs oder andere Wohnformen, 300 Menschen sagten Mikrospenden zu und 440 Patinnen und Paten meldeten sich. Die Patinnen und Paten sind beim ersten Treffen zwischen WG und neuem Mitbewohner dabei und begleiten als Ansprechpartner das weitere Zusammenleben.

Das Projekt überzeugt sogar die Behörden: Mittlerweile vermitteln auch offizielle Institutionen Menschen weiter. „Einerseits ist das natürlich toll“, meint Mareike. „Andererseits zeigt das aber auch die Überforderung, die im Moment angesichts der Flüchtlingssituation herrscht.“

Mit zunehmender Aktivität hat sich auch der Arbeitsaufwand des Vereins erhöht. Was als WG-Laune begann, ist nun ein Vollzeitjob. Das wirft auch die Frage nach der Finanzierung auf, die bisher noch nicht langfristig gesichert ist: „Ideell sind viele Menschen sofort dabei, aber die Finanzierung ist schwierig, was unsere Arbeit erschwert, da wir nicht längerfristig planen können“, erklärt Mareike. Mittlerweile arbeiten knapp 30 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dem Projekt mit. Sie betreuen u.a. die Anmeldungen aus den verschiedenen Bundesländern.

Mehr Infos zum Thema, weitere Berichte und das Spendenkonto findet ihr auf der Homepage von „Flüchtlinge Willkommen“.

Autorin: Sophie Löhlein, Praktikantin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Fotos: Copyright Flüchtlinge willkommen

  1. Eduard Adam

    Vor 70 Jahren ging der große Krieg zu Ende. Viele Menschen mussten damals fliehen. Wir sind dankbar, dass uns viele (nicht alle, z.b. die Schweiz) Asyl gegeben haben. Dies alleine schon ist eine Verpflichtung für uns, Flüchtlinge aufzunehmen. Ich meine, unsere deutsches Gesetz dazu ist diskriminierend und bedarf dringend der sinnvollen Neugestaltung.

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