Fairer Handel geht nur global

320.000 Menschen demonstrierten am Wochenende gegen TTIP und CETA. Das ist gut so. Globaler Handel braucht Nachhaltigkeit als Ziel. Falsch dagegen wäre Protektionismus.

Die Zahl der Kritiker an den geplanten Freihandelsabkommen ist so groß wie ihr Spektrum breit ist. Fest steht: Wir brauchen mehr globale Zusammenarbeit. Fest steht auch: Wir können damit gleich bei uns selber beginnen. Das ist wirksamer, als mehr Macht für Deutschland zu fordern.

Nehmen wir den Klimawandel. Er betrifft alle Länder. Ihn alleine lösen zu wollen käme dem Versuch gleich, bei einem Orkan einen Regenschirm aufzuspannen in der Hoffnung, trocken zu bleiben. Auf Klimagipfeln können vor allem Vorbilder überzeugen. Die Entscheidung Deutschlands, auf Erneuerbare um- und aus Atomenergie auszusteigen, war wegweisend. Schiedsgerichte können hier negative Auswirkungen haben, wie die Vattenfall-Klage gegen Deutschland illustriert. Viele Bürger haben sich bei den Erneuerbaren ebenfalls zu Vorbildern gemacht. Die Ökostromkunden nicht zu vergessen.

Nehmen wir die Ernährung. Das Pariser 2-Grad-Ziel ist ohne einen umfassenden Umbau von Landwirtschaft „unerreichbar“. Die Produktion von Lebensmitteln nur in Deutschland ökologischer zu machen, reicht nicht. Die Bedingungen werden auf europäischer Ebene definiert, die Landwirtschaft ist auf den Weltmarkt ausgerichtet. Gleichzeitig können wir vor Ort viel tun, um heimische Biolandwirte voranzubringen. Die Zukunft fängt beim Boden an.

Nehmen wir die Transparenz. Klimagipfel sind nicht perfekt. Aber Paris 2015 war global, wurde öffentlich begleitet und begutachtet. Ein breites Forum erlaubte eine Vielzahl an Stimmen, die wiederum in den Ländern debattiert wurden. Das Ergebnis hat nachvollziehbare Ziele zur Folge, die nun national eingefordert werden können. Wiederum können auch wir Konsumenten Transparenz einfordern, schon bei jedem Produkt. Was passiert mit meinem Geld? Wie wurde meine Kleidung genäht? Woher kommt mein Obst?

Nehmen wir Nachhaltigkeit. Die Erhaltung und Entwicklung der vorhandenen Ressourcen zum Wohl der Umwelt und zukünftiger Generationen ist bei TTIP kein explizites Ziel. An erster Stelle steht Wachstum durch einfacheren Marktzugang. Gerade das ist ein Problem. Nachhaltigkeit, soziale Standards und das Gemeinwohl müssen zentrale Ziele werden. Dieses Bewusstsein benötigen wir alle. Fangen wir an.

  1. Ich finde die Wirtschaftsteil – Reihe sehr interessant! Und bin auch gespannt, wie es weiter geht. Ob die Bürger Europas aufstehen werden? Oder ob sie es dennoch hinnehmen und damit leben werden?

    Wir werden sehen. ;-)

  2. Der Link zum Thema Landwirtschaft („unerreichbar“) ist falsch.

    • Bettina Schmoll

      Hallo Steffen,
      danke für den Hinweis, jetzt ist der Link richtig.
      Viele Grüße
      Bettina Schmoll

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