EMMIbee – Wachsmalfarben neu gedacht

Denkt einmal an Wachsmalfarben.

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Wachsmalfarben?

Ich fühle mich sofort in meine Kindheit zurück versetzt, habe bunte Bilder vor Augen, diesen etwas muffigen Geruch in der Nase und ein leicht klebriges Gefühl an den Händen, das ich immer hatte, wenn ich stundenlang gemalt habe. Aber sind Wachsmalstifte nicht völlig aus der Mode? Sind sie nicht.

Markus Seifert, Diplomingenieur, Waldorf-Klassen- und Kunstlehrer und GLS Bank Kunde, hat die Wachsmalfarben noch einmal neu erfunden. Nun, nicht ganz neu. Aber ohne Paraffin (Erdöl), ohne Stearin (Palmöl), zu 25 Prozent aus Bienenwachs – das riecht man – und in neuer Form. Tatsächlich ist diese das erste, was einem an seinen EMMIbee Wachsmalfarben auffällt. Der auf der Längsseite stehende Quader neigt sich zu einem Parallelogramm und dreht sich leicht spiralförmig genau im Winkel der Neigung der Erdachse.

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Wir haben Markus Seifert gefragt, wie er zu seiner „Erfindung“ kam.
Ich war Waldorfschüler, später dann Waldorf-Klassen-, Gartenbau- und Kunstlehrer. Wenn man als Klassenlehrer mit Kindern arbeitet, dann immer auch mit Wachsmalfarben. Als Gartenbaulehrer kümmerte ich mich gleichzeitig um Bienen, deshalb habe ich mich auch mit Wachs beschäftigt. Als ich dann wissen wollte, woraus die Wachsmalfarben waren, gab die Herstellerfirma keine Auskunft. Ich war jedoch der Meinung, dass die verwendeten Farben dem Ökologiegedanken der Waldorfschule entsprechen sollten. Ich habe dann angefangen rumzutüfteln und herauszufinden, wie man Wachsmalfarben aus natürlichen Materialien herstellen kann. Erst nebenher, dann während einer Auszeit „voll und ganz“.
Bei der Suche nach einem Produzenten traf ich dann bei der Werksiedlung St. Christoph im Schwarzwald, einer anthroposophischen Einrichtung für behinderte Menschen, auf einen Werkleiter, der sich von Anfang an begeisterte. Gemeinsam ist uns dann der Herstellungsprozess „gelungen“. Wir sind seit zwei Jahren auf dem Markt, die Farben kommen immer besser an.

Braucht man heute noch Wachsmalstifte?
Wenn ich Bilder anschaue, die früher von Kindern gemalt wurden, und mit Bildern vergleiche, die heute  von Kindern gemalt werden, stelle ich fest, dass die Gestaltungskräfte insgesamt abgenommen haben. Ebenso wie die kreativen Kräfte im Alltag. Wie oft höre ich erstaunlicher Weise auch von – oder ehemaligen – Waldorfschülern: „Ich kann nicht malen, ich will nicht malen, ich habe Angst davor, dass ich zu viel von mir offenbare.“ usw. Mit meinen Farben möchte ich erreichen, dass Kinder und Erwachsene wieder mit Freude ins Malen kommen, auch um sozusagen an ihrem Gefühlsleben arbeiten zu können und das Malen – besonders in der Pädagogik – als Vehikel verstehen und ihr Leben, genau so wie das Bild, aktiv gestalten lernen.

Was steckt hinter dem Namen?
EMMIbee besteht aus zwei Worten. Emmi rückwärts gelesen ist Imme, das alte deutsche Wort für Biene. Bee ist das englische, nahezu global verständliche Wort für Biene. Beides zusammen beschreibt die Firmenidee von EMMIbee: Rudolf Steiners vor nahezu hundert Jahren gedachten Ideen zur Kunst im Allgemeinen und zur künstlerischen Arbeit in der Pädagogik im Speziellen, hineingeführt in unsere Zeit mit ihren besonderen Qualitäten und Möglichkeiten.

Woher kommen die Rohstoffe?
Wachs ist ein riesiges Thema. Den Bienen geht es weltweit immer schlechter. Naturkosmetikhersteller benötigen für ihre Produkte sehr reines, hochwertiges Wachs, das möglichst wenig Reinigungsprozessen unterzogen wurde. Sie beziehen es daher in der Regel aus Ländern, in denen wenig Pestizide und wenig Medikamente wie beispielsweise Varroazide, ohne die selbst Bioimker in Spanien nicht mehr auskommen, eingesetzt werden. Das andere Wachs kann man aber gut reinigen, so dass es eine sehr gute Qualität für Kerzen oder Stifte. Für EMMIbee beziehen wir vornehmlich Wachs aus Europa in einer sehr hohen Reinheitsstufe.
Am Wachs unserer eigenen zur Zeit vier Völker erforschen wir, wie man die Demeterqualität bis zum Endprodukt erhalten kann, ohne kritische Verarbeitungsprozesse wie übermäßige Erwärmung oder Verarbeitung mit Metallkontakt.

Was bezweckt die Form?
(lacht) Da muss ich etwas ausholen und an den dreigliedrigen Menschen mit Gedankenleben, Gefühlsleben und Willensleben anknüpfen. Denken ist immer eindimensional, es folgt Gedanke auf Gedanke, Fühlen hat eine Zweidimensionalität, da es sich immer zwischen Polen bewegt und das Wollen ist dreidimensional, da es immer eine räumliche Ausdehnung hat. Beim Malen bewegen wir uns auf dem Blatt mehr oder weniger in zwei Dimensionen. Aber um ins Malen zu kommen, braucht es den Willen, also die Dreidimensionalität. Die EMMIbee Wachsmalfarben entstehen aus einer konvex und einer konkav gebogenen, also einer dreidimenionalen Fläche. Erstaunlich dabei ist, dass dort, wo sie zusammentreffen ausgehend von ihrem Schnittmittelpunkt exakte Geraden entstehen. Ein Waldorfschulkind lernt nun in seiner ersten Schulstunde mit den Urformen „Gerade und Krumme“ (so nannte sie Rudolf Steiner) zu arbeiten. Bei den EMMIbee Farben hat es diese nun (unbewusst) vor Augen und gleichzeitig als haptischen Eindruck in der Hand! So wird der Wille nochmals anders aufgefordert. Ist das nicht praktische Anthroposophie?

Welche weiteren Pläne haben Sie?
Ende des Jahres bringen wir Wachsmalstifte auf den Markt. Stifte sind sehr gut geeignet, um den Übergang von unseren Wachsmalfarben in den für das Schreiben nötige Dreifingergriff optimal zu gestalten.

Wie kamen Sie zur GLS Bank?
Zuerst privat. Wenn man seine Arbeit auf der Idee der sozialen Dreigliederung gründet, kann man ja nur zur GLS Bank gehen – nicht weil es keine Alternative gäbe, sondern weil die GLS-Bank einfach die Bank ist, die die anthroposophischen Grundsätze tatsächlich und aus meiner Sicht sehr gut umsetzt! Danach bin ich dann auch selbstredend mit der Firma zur GLS Bank gegangen.

Fotos: Copyright EMMIbee

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