Die GLS isst öko und sozial

blog_800_400Kurz nach halb eins in der Christstraße 9 in Bochum. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der GLS Bank stehen Schlange.

Das Casino füllt sich. An neun Tischen treffen sich täglich 60 bis 110 Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Abteilungen zum Essen. In diesen täglichen Begegnungen kommen die zentralen Werte der Unternehmenskultur zum Ausdruck: Gemeinschaft leben und offen und respektvoll, unabhängig von der Funktion miteinander umgehen. „Bei uns im Casino sind alle gleich. Niemand bekommt eine extra Wurst. Nicht selten sitzen Azubis und Vorstand beim Essen zusammen“, erklärt Stephanie Nolte, Teamleitung Hausservice.

In den Anfangsjahren der Bank haben sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jeden Donnerstagmorgen bei der Mitarbeiterrunde in der Oskar-Hoffmann Straße getroffen und wichtige Belange besprochen. Mit zunehmender Mitarbeiterzahl wurde der GLS Hauptsitz von der Christstraße 9 in die Christstraße 11 ausgeweitet. Durch die räumliche und personelle Vergrößerung wurde die praktische Umsetzung alter Rituale zunehmend schwieriger. Das Casino als Treffpunkt und Ort der Gemeinschaft ist ein Kernelement der Bank. Im Oktober 2013 feierten das neue Casino und die hauseigene Küche Eröffnung. Seit diesem Tag wird das Essen unter der Leitung von Frau Betteldorf in einem kleinen Team täglich frisch zubereitet.

Regional und ökologisch

Bei der Auswahl der Produkte und Lieferanten geht das Küchenpersonal ganz nach den hauseigenen Prinzipien vor. Ökologisch und sozial müssen alle Lebensmittel sein. Die frischen Brötchen für das Frühstück bringt eine Bochumer Biobäckerei jeden Morgen vorbei. Das Küchenteam belegt diese mit Käse, Wurst und Ei und sorgt mit immer neuen Variationen für Abwechslung. Auch das Obst und die frischen Zutaten wie Salat, Gurken und Tomaten werden von einem Bio-Händler aus der näheren Umgebung geliefert. Solange der wöchentliche Vorrat reicht, stehen den GLS Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern je nach Saison verschiedene Obstsorten, Karotten oder Tomaten kostenlos zur Verfügung, ebenso wie Wasser, Kaffee und Tee aus ökologischer Produktion.

Grundlage für das Mittagessen sind Gerichte, welche mit dem Cook & Chill* Verfahren von einem Bioanbieter vorgegart werden. Diese Methode sorgt dafür, dass die Speisen frisch und vitaminreich auf die Teller kommen. Täglich stehen neben dem Salatbuffet drei Gerichte zur Auswahl. Eines ist vegetarisch, eines mit Fleisch oder Fisch und eines ist für den „kleinen Hunger“. Außerdem gibt es eine liebevoll zubereitete Dessertauswahl. Für den „kleinen Hunger“ verwendet das Küchenteam meist übergebliebene Speisen des Vortags, die zu leckeren Aufläufen umgewandelt werden. Das Gericht ist stets vegetarisch. „Auch wir als ökologische Küche arbeiten streng nach den allgemeinen Hygienevorschriften. Unser Ziel ist es, beim Kochen so wenig Lebensmittel wir möglich wegzuwerfen und nicht zu viel über zu haben“, erklärt Stephanie Nolte „Deshalb kochen wir nur geringe Mengen Fleisch. Das darf ausgehen, da übrig gebliebenes weggeworfen werden müsste.“ Um den Kollegen und Kolleginnen jeden Tag ein leckeres und abwechslungsreiches Essen servieren zu können, beginnt das Küchenteam seine Arbeit am frühen Morgen. Der Preis, den die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für eine Mahlzeit bezahlen, deckt lediglich die Lebensmittelkosten ab. Personal- und Betriebskosten übernimmt die GLS Bank.

Nicht jede Zutat ist käuflich

kueche4Eine Zutat ist dafür entscheidend, dass es in der GLS Bank nicht schmeckt wie in vielen anderen Kantinen. „Biologische Lebensmittel sind das eine für den guten Geschmack, der Mensch schmeckt vor allem aber auch, ob der Koch oder die Köchin mit Hingabe arbeitet und eine Liebe zu Lebensmittel verspürt“, davon ist Stephanie Nolte überzeugt. Alles was an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgegeben wird, wird abgeschmeckt und verfeinert. „Bei uns schmeckt kein Essen gleich, weil wir nicht einfach nur nach einem Kochbuch arbeiten oder die Gerichte vom Caterer unabgeschmeckt übernehmen. Gerichte werden zum einen nach Verfügbarkeit der Lebensmittel und zum anderen nach unseren Erfahrungen abgewandelt.“

Mehr als ein Mittagessen

Die Arbeit des Teams von Stepfanie Nolte, welches neben Mitarbeiterinnen in der Küche auch die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Hausservice umfasst, hat sich bewährt. Auch außerhalb der Casinoöffnungszeiten sind die Teams im Einsatz. Als Bank, die nicht nur Geldgeschäfte abwickeln möchte, sondern den gesellschaftlichen Wandel vorantreiben will, ist die GLS Bank oft und gerne Gastgeberin für verschiedene Veranstaltungen. Getränke ausgeben, Gäste betreuen, Auf- und Abbau – über den Dächern Bochums in der Christstraße sind auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hausservice regelmäßig in den Abendstunden im Einsatz.

Bei der Veranstaltung Salonfestival in der GLS Bank Bochum wurden die Gäste erstmalig mit hausgemachten Leckereien verwöhnt. Die Begeisterung war groß, ebenso die Nachfrage nach einer Wiederholung des Geschmackserlebnisses .

Wir freuen uns über weitere Grüße aus der GLS Küche!

*Cook & Chill beschreibt ein Verfahren, bei dem Lebensmittel gegart und anschließend innerhalb von 90 Minuten auf unter 4 Grad gekühlt werden. Bei ununterbrochener Kühlung sind die Speisen so bis zu vier Tage ohne Qualitätsverlust haltbar.

  1. @Lennart

    Ich werde nie verstehen weshalb es, wenn eine gute Sache vorgestellt/präsentiert wird, immer Leute geben muss, die mit dem „aber“ kommen und so argumentieren, als seien sie selbst „Heilige“. Bist Du perfekt? Wenn ja, glückwunsch!

    Deine Mitmenschen werden allerdings nicht,und schon gar nicht von heute auf morgen, Deine Lebensweise teilen. Wenn man aber Dinge verbessern kann und dabei eine große Zahl an Menschen mitnehmen kann, die, ohne das Gefühl verzichtet zu haben, etwas Gutes bzw Besseres getan haben, dann ist schon viel erreicht, sogar sicherlich mehr erreicht, als die, die ihre eigene Heiligkeit abfeiern und vom „Spielfeldrand“ meckern. Wir alle leben, das kostet nun mal Ressourcen… Guten Appetit GLS Bank! Bg, Daniel

  2. Die Kantine klingt sehr einladend und die Grundwerte gefallen mir! Allerdings verstehe ich nicht, wieso es jeden Tag Fleisch und andere Tierprodukte geben muss und keine Vegane Alternative zum festen Speiseplan gehört. Gerade in Großküchen ist das Vegane Kochen sehr einfach, da ohnehin jede Mahlzeit geplant werden muss.
    Regional, saisonal schön und gut, aber ökologisch ist dieser Speiseplan ganz sicher nicht.
    Die entsprechenden Studien dürften ja allen Lesern hinreichend bekannt sein nehme ich an. Es würde mich aufrichtig freuen, wenn die GLS Bank symbolträchtig einen Schritt hin zu einer nachhaltigeren Verköstigung tätigen würde, und wenn es zunächst nur bedeutet, zwei vollständig vegetarische Tage in der Woche zu haben. Das würde echten gesellschaftlichen Wandel inspirieren, so wie es dem Leitbild der GLS entspricht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.